Sport : Vorbild Schweiz

Claus Vetter

Achtundvierzig zu eins. So ist das Verhältnis von Toren, die diese Saison in der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, von Deutschen und von Schweizern erzielt wurden. Nur ein Schweizer Feldspieler ist in der nordamerikanischen Profiliga, während dort sieben deutsche Profis Dollarmillionäre werden oder geworden sind. Der Grund des Desinteresses der NHL-Klubs an Schweizern ist einfach: Sie sind nicht gut genug. Trotzdem schlagen sie in Turin Kanada und Tschechien, Teams mit den Stars der NHL, und haben sich – im Gegensatz zu den Deutschen – für das Viertelfinale qualifiziert. Denn sie haben den Deutschen eines voraus: Sie sind ein Team.

Das Schweizer Nationalteam funktioniert wie eine Klubmannschaft. Es gibt fast monatlich Lehrgänge, alle paar Wochen spricht der Nationaltrainer mit den Klubtrainern über die Form seiner Spieler. Bereits im Sommer hat Ralph Krueger die olympischen Eishallen inspiziert: Die Vorbereitung auf Turin war bei den Schweizern in vollem Gange, als die Deutschen im Dezember nach dem Rücktritt von Greg Poss ohne Bundestrainer dastanden. Uwe Krupp wurde auf den Posten geschubst. Ein ehemaliger Weltklassespieler, der nie zuvor Cheftrainer einer Profimannschaft war. Zwei Vorbereitungsspiele gestattete ihm der Terminplan der Deutschen Eishockey-Liga vor Olympia. Dass in so kurzer Zeit kein Team entstanden ist, zeigt sich dieser Tage in Turin an den schwachen Resultaten der Deutschen, die am Vorbild Schweiz nun sehen müssen, was mit akribischer Vorbereitung möglich gewesen wäre.

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