Sport : Vorgefahren

Radprofi Sinkewitz ist jetzt mehr als ein Talent

Hartmut Scherzer[Landshut]

Patrik Sinkewitz ist erst 23 Jahre. Das ist für einen Radprofi noch kein fortgeschrittenes Alter. Trotzdem, dem Status eines Talentes sollte einer wie Sinkewitz längst entwachsen sein. Und das war bislang in der Karriere des Hessen sein großes Problem. Er galt als die deutsche Hoffnung für die Zeit nach Jan Ullrich. Zumindest in der Radsportszene. Denn da Aufsehen erregende Ergebnisse fehlten, kam der Name Sinkewitz einer breiteren Öffentlichkeit kaum ins Bewusstsein. Das aber hat sich nun geändert. Ausgerechnet bei der dritten und schwersten Etappe der Deutschland-Tour ließ der junge Fahrer Superstar Jan Ullrich beim Anstieg zum Arlbergpass stehen.

Patrik Sinkewitz ist mit seiner unbekümmerten Art eine erfrischende Erscheinung im Radsport. Dem Träger des Gelben Trikots bei der Deutschland-Tour gratulierte der Chef des belgischen Eliteteams Quick Step nach der dritten Etappe sofort per Telefon. Patrick Lefevere hängte an den Glückwunsch aus Belgien noch einen Seitenhieb gegen Jan Ullrich an. Pfiffig gab Sinkewitz die Botschaft weiter – als wäre sie seine eigene: „Hoffentlich haben die Deutschen jetzt begriffen, dass sie nicht nur einen Rennfahrer haben.“ Selbst Ullrich war beeindruckt von der Manier, in der sein sieben Jahre jüngerer Kollege an ihm vorbeifuhr. „Da fehlt mir noch etwas, wenn so die Post abgeht“, sagte er.

Lefevere weiß schon seit vier Jahren, welches Potenzial in dem jungen Profi aus Künzell bei Fulda steckt, hatte er ihn doch als Nachwuchsfahrer einst zu Mapei nach Italien geholt. Nach der Auflösung der italienischen Mannschaft nahm er ihn mit nach Belgien zum Nachfolgeteam Quick Step und versprach ihm bereits bei der Saisonplanung: „Patrik, du fährst die Tour de France.“ Sinkewitz’ Mentor ist Paolo Bettini. Im Winter wohnt und trainiert er beim italienischen Meister und Weltcupsieger in der Toskana. Ehe Sinkewitz etwas unternimmt, holt er sich Rat bei Bettini. Als er zu Beginn der dritten Etappe der Deutschland-Tour „gute Beine“ spürte und dies seinem Kapitän mitteilte, ermunterte ihn der Italiener: „Probiere es. Du hast nichts zu verlieren. Aber du wirst es packen.“

Noch braucht Sinkewitz derlei Ermutigungen. Bisher hatte er nach eigenen Worten noch nie gewonnen. Das stimmt nicht: Er gewann den Grand Prix in Winterthur 2002. Wichtiger waren ihm aber seine Platzierungen bei den großen Rennen. An der Seite Bettinis landete er meist unter den ersten zwanzig Fahrern. Und nun, nachdem er auch gestern bei der vierten Etappe sein Gelbes Trikot verteidigen konnte, denkt er bei der Deutschland-Tour an mehr. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich mir keine Hoffnungen auf den Gesamtsieg mache“, sagt Sinkewitz. Den vierten Tagesabschnitt über 181,4 km von Bad Tölz nach Landshut gewann im Massenspurt der Franzose Sebastian Hinault.

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