Sport : Vorlaufkinder und Geisterspiele

Philipp Köster

Jeder normale Fernsehzuschauer hat ja seinen Lieblingssender. Intellektuelle schauen gerne Themenabende bei Arte, Schichtarbeiter schauen vielleicht lieber RTL 2.

Ich wiederum bin großer Fan des Sportkanals DSF. Nicht nur wegen der Fußballübertragungen, nein, auch wegen der sonstigen Programminhalte.

Nachts zeigt das DSF nämlich ein exakt auf die männliche Kernzielgruppe ausgerichtetes Programm, in dem sich junge Damen zwar auch ausziehen, aber gleichzeitig Tischtennis oder Golf spielen, was uns das schöne Gefühl gibt, doch irgendwie einer Sportsendung zuzuschauen. Und tagsüber vertreibt uns der Sender die Zeit mit ausgeklügelten Rätselfragen.

Neulich sollten zum Beispiel von Anrufern einige Begriffe mit „Fußball-“ erraten werden. Heraus kamen die Lösungen: „Fußballvorlaufkind, Fußballmeister- stern, Fußballgeisterspiel“ . Tolle Begriffe, vor allem „Fußballvorlaufkind“, was immer das sein mag. Natürlich wurden die Begriffe allesamt nicht erraten, obwohl zuvor kostenpflichtig angerufen wurde, bis die Leitungen qualmten.

Ein cleverer Sender also, das DSF. Hin und wieder aber treibt es der Kanal ein kleines bisschen zu weit. Am letzten Montag versteigerte das DSF ein holländisches Trikot, und was für eines: Ein „Original-Trikot von Johan Cruyff“, das Berti Vogts „nach dem Finale 1974 ergattert“ habe. Blöd nur, dass das Jersey mit seinen drei Armstreifen und seinem Rundhals so gar nicht aussieht wie das 74er- Leibchen mit seinem Spitzkragen und seinen beiden Streifen.

Deshalb unser Vorschlag zur Güte: Das DSF beendet die Versteigerung, rügt Berti Vogts wegen der Schummelei und schenkt das Trikot irgendjemanden, der etwas damit anfangen kann. Zum Beispiel einem Fußballvorlaufkind.

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