Sport : Vorn sind immer die anderen

In Hoppegarten startet das wichtigste Galopprennen des Jahres – doch aus Hoppegarten ist keiner dabei

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Von Ingo Wolff

Hoppegarten. Wenn es Herbst wird in Hoppegarten, dann verändert sich auch das Erscheinungsbild der Galopprennbahn vor den Toren Berlins. Die grüne Bahn mit den historischen Tribünen wirkt nun nicht mehr so einladend, jedenfalls nicht für Menschen mit Picknickkorb und Kinderwagen. Nur in einer dicken Jacke halten es die Zuschauer noch aus, wenn sie die Pferde morgens im Training beobachten. Es sieht fast unheimlich aus, wenn sie dampfend im Galopp über das Geläuf hetzen und der Dunst hinter ihnen stehen bleibt.

So eine Idylle ist für Werner Bauermeister tägliche Gewohnheit. Der erfolgreichste Trainer in Hoppegarten beginnt um acht Uhr seine Morgenarbeit mit den Pferden und bringt seine Athleten in Schwung für den kommenden Renntag. Doch diesmal ist es nicht der Renntag in Hoppegarten – auch wenn dort mit dem 12. Großen Preis der Deutschen Einheit das wichtigste Rennen des Jahres stattfindet. Denn Bauermeister hat für den 3. Oktober kein Pferd gemeldet. Der Mann mit dem größten Stall in Hoppegarten reist stattdessen mit seinen beiden besten Pferden nach Mülheim. Dort hat er sich zunächst mehr ausgerechnet. Erst kurzfristig wurden die Rennpreise dank eines Sponsors vom Union-Klub erheblich angehoben. Doch da war es zumindest für Bauermeister zu spät. Und so findet das wichtigste Hoppegartener Rennen zum ersten Mal seit Jahren ohne heimische Starter statt.

Im Prinzip ist das kein Problem, kommen doch am vorletzten Renntag der Saison noch einmal die besten deutschen Trainer, Jockeys und Galopper nach Berlin – viele hatten wegen der höheren Geldpreise noch schnell nachgemeldet. Fast 125 Starter in neun Rennen (Beginn 13 Uhr 15) garantieren wenigstens sportlich ein rekordverdächtiges Programm. Stimmt das Wetter, dürfte das auch für die Zuschauer gelten.

Das Dilemma ist die wachsende Diskrepanz zwischen der Klasse der anreisenden und den in Hoppegarten stationierten Pferden. Der Union-Klub hat es zwar verstanden, die Renntage besser zu vermarkten, hat neue Sponsoren gefunden und mehr Zuschauer an die Bahn gelockt. Doch in den Hoppegartener Ställen sieht es schlecht aus. Die Zahl der Pferde ist erneut zurückgegangen, weil keine jungen Pferde für die alten nachkommen. „Es fehlen die zwei- und dreijährigen Pferde“, sagt Bauermeister. Das ist der Grund, warum die Hoppegartener nur noch die Rennen auffüllen, bei den hochkarätigen Starts aber nicht vertreten sind.

Die Schuld sieht Bauermeister in der wirtschaftlichen Situation. Er hätte sich mehr Unterstützung vom Union-Klub erhofft: „Der Union-Klub hätte mehr tun können.“ Immerhin konnte er auswärts einige große Erfolge erringen: „Ich habe ja wenigstens noch gutes Pferdematerial.“ Insgesamt gibt es jedoch im Trainingszentrum Hoppegarten noch viel Klärungsbedarf zwischen dem Union-Klub und den Trainern. „Wir haben doch hervorragende Bedingungen. Die Bahn ist eine der schönsten in Deutschland.“ Doch noch ist nicht absehbar, wann es neben den erfolgreichen Renntagen auch wieder erfolgreiche Galopper in Hoppegarten gibt. Im nächsten Jahr wohl nicht. Da gibt es wieder nur zehn Renntage in Hoppegarten. Für Bauermeister zu wenige: „Da müssen wir wieder auf andere Bahnen ausweichen.“

Die Zuschauer bekommen von der Diskrepanz nur wenig mit. Ihnen wird ein hervorragendes Programm geboten. Für die Hoppegartener Trainer ist der Tag der Einheit trotzdem kein Tag zum Jubeln.

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