Sport : Vorsicht am Bahnsteig

Der 1. FC Union treibt seine Fans zur Verzweiflung

Karsten Doneck

Berlin - Squall aus Marzahn zeigt schon resignative Züge. Im Internet-Forum hat sich Squall, so das selbstgewählte Pseudonym, mit der Zukunft seines Lieblingsvereins auseinandergesetzt. „Dann gibt’s halt im Juni 2005 wieder 23 Arbeitslose mehr“, schreibt er. Eine finstere Prognose für die Regionalliga-Fußballer des 1. FC Union, aber der Frust der Fans nach dem 1:2 am Freitag beim Tabellenletzten, den Amateuren des VfL Wolfsburg, sitzt tief. Zumal auch Union-Trainer Werner Voigt langsam verzweifelt. „Die Mannschaft offenbart Schwächen, die man einfach nicht zeigen darf“, kommentierte er die Niederlage beim VfL.

Der 1. FC Union droht durchgereicht zu werden: von der Zweiten Liga gleich runter in die Oberliga. Und ob er dort angesichts des vorhandenen Schuldenbergs von rund zehn Millionen Euro überhaupt eine finanzielle Basis zum Überleben findet, ist höchst zweifelhaft. Die treuen Union-Fans spüren vielleicht noch am ehesten, welches Ungemach ihrem Verein da droht. Rund 200 deprimierte, aber diskutierwütige Anhänger empfingen die Union-Mannschaft nach dem Fiasko beim VfL auf dem Wolfsburger Bahnhof. Vor der Heimfahrt im ICE sollten die Spieler Rechenschaft über ihre schwache Vorstellung ablegen. Mühsam beruhigte Werner Voigt auf dem Bahnsteig die Gemüter und sorgte für ein halbwegs reibungsloses Einsteigen in den Zug nach Berlin.

Vor 55 Tagen hat Werner Voigt als Nachfolger von Frank Wormuth die Aufgabe als Trainer bei Union übernommen. Die Lage im Abstiegskampf hat sich seither eher noch zugespitzt. Kein Wunder. Voigt hat einen Kader übernommen, in dem einige junge Spieler nicht den in der Regionalliga gestellten Anforderungen genügen. Immer mehr zeigt sich, dass vor der Saison bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft eklatante Fehler gemacht wurden. „Dazu äußere ich mich nicht“, grummelt Voigt. Das Bekenntnis, die richtigen Leute auf dem Platz zu haben, klingt anders.

„Immer weiter trainieren, nach und nach die Qualität verbessern“ – so will Voigt aus dem Dilemma herauskommen. Und selber hinschmeißen? Er lacht. „Der Typ bin ich nicht.“

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