Sport : Vorwärts immer

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Möglicherweise ist es noch ein wenig früh, aber ein paar Zeichen sind schon zu erkennen, dass diese EM ein hübsches Signal aussenden könnte: dass Unbekümmertheit und Wille Berechnung besiegt. Die Spanier müssen nach Hause reisen. Warum? Weil sie ganz offensichtlich mit dem Bewusstsein ins Spiel gegen den portugiesischen Nachbarn gegangen sind, den Besitzstand zu verwalten. Da schien doch dem Senor Inaki Saez die Idee, das System über alles zu gehen. Oder warum lässt Spaniens Trainer einfach zwei seiner besseren Kräfte, Morientes und Valeron, außen vor? Zählt nicht mehr, was früher auf jedem Acker Usus war, wenn sich ein paar Jungs zum Kicken trafen und dann die Mannschaften wählten: Gewählt wurden erst einmal die Besten, und sie wurden nicht nach einem System ausgesucht. Und schon mal gar nicht nach dem Plan, das Unentschieden vom Anpfiff bis zum Abpfiff zu tragen. Gewinnen wollen war das einzige Prinzip. Mir scheint, dass bei dieser EM ein Verstoß dagegen bestraft wird.

Es war ja nicht überragende Klasse, mit der die Portugiesen aufwarteten. Es war Wille, unbedingter Wille, sowohl auf den Rängen als auch auf dem Rasen. Und Unbekümmertheit. Ein Ronaldo etwa hat wahrscheinlich Defizite in der Rückwärtsbewegung. Riesige Defizite mutmaßlich sogar. Na und? Dafür hat er einen Zug zum Tor, wie er zwingender nicht sein kann. Das ist doch die Grundlage jedes Fußballspielens, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Für den Frevel des Rückwärtigen wurden Spanier bestraft, wurden Italiener abgewatscht (aber noch nicht genug), und auch Herr Rehhagel wird mit seinen Griechen herabsteigen müssen vom Throne des Zeus. Der hat, also Rehhagel, nicht Zeus, soeben erklärt, dass er nicht nur in Bremen Erfolg haben könne, sondern überall. also jeden trainieren kann. In aller ihm gegebenen Bescheidenheit, also in keiner. Wäre es nicht nett, wenn sich diese EM nun auch noch aufmacht, Hochmut zu bestrafen?

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