Sport : Wahrscheinlich in Peru

Wie die Südamerika-Meisterschaft organisiert wird

Martín E. Hiller

Im Büro der Conmebol in Asunción geht es gemütlich zu. Der südamerikanische Fußballverband hat gerade bestätigt, dass die nächste Copa América vom 3. bis zum 26. Juli 2004 in Peru stattfinden wird. Doch obwohl zwischen Terminierung und Beginn der Südamerikameisterschaft nun gerade noch ein Jahr Zeit bleibt, ist in der Stimme von Verbandssprecher Néstor Benítez kein Anzeichen von Nervosität oder gar Hektik zu vernehmen. Benítez, der dem Tagesspiegel noch vor vier Wochen lediglich versichern konnte, dass die Copa „wahrscheinlich in Peru stattfinden wird, so im Juni oder Juli 2004", sieht nichts Ungewöhnliches in der kurzfristigen Ansetzung. „Wir haben keine Eile, wir sind gewohnt, unsere Aufgaben direkt und formlos zu lösen", sagt Benítez.

Der Gegensatz zum alten Kontinent könnte kaum größer sein: Vor einigen Wochen gab der OK-Präsident der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, Franz Beckenbauer, bekannt, dass bereits alle Sponsoren für das in über drei Jahren stattfindende Ereignis gefunden seien. Die Conmebol dagegen hatte sich da noch nicht einmal auf den Zeitraum festgelegt, in dem das größte Fußballturnier des amerikanischen Kontinents, durchaus vergleichbar mit der Europameisterschaft, stattfinden soll.

Die, positiv gesehen, umständliche Art, Turniere zu organisieren, hat in der Tat Tradition in Südamerika. Alle drei Monate treffen sich die Präsidenten der Mitgliedsländer der Conmebol zu Abstimmungsrunden, die ebenso unkonventionell erscheinen wie das Akronym ihres Verbandes (CONfederación SudaMErikana de FutBOL). „Wir sprechen alle dieselbe Sprache, auch mit den Brasilianern gibt es keine Probleme, auch wenn sie Portugiesisch sprechen, aber das macht nichts, alle kennen sich seit Ewigkeiten", sagt Benítez. Der argentinische Verbandspräsident Julio Grondona ist seit 1979 im Amt, sein brasilianischer Kollege Ricardo Texeira seit 1988, der Präsident der Conmebol, Nicolás Leóz aus Paraguay, seit 1986. Bei einer dieser Absprachen im letzten Sommer beschlossen die alten Freunde spontan, die Copa von 2003 auf 2004 zu verschieben. Erst ab dem kommenden Jahr findet das Turnier – annähernd zeitgleich mit der EM – nur noch alle vier Jahre statt. Nach der letzten Austragung in Kolumbien 2001 hätte das Turnier, dem bisherigen Zwei-Jahres-Turnus folgend, in diesem Jahr stattfinden sollen. Doch die Conmebol wollte endlich den immer wiederkehrenden Streit mit den europäischen Klubs beenden, die in der Vergangenheit regelmäßig all ihre südamerikanischen Spitzenspieler gerade dann wochenlang freistellen sollten, wenn wichtige Ligaspiele anstanden. Auch Mexiko und die USA sollen 2004 eventuell eingeladen werden. Beschlossen ist noch nichts, man werde „auch das in Ruhe überdenken", sagt Señor Benítez mit entspannter Stimme.

In Südamerika schätzt man die lässige Art, mit den Dingen umzugehen. Dies kann für chaotische Verhältnisse sorgen, wie die Copa 2001 gezeigt hat. Weil Gastgeber Kolumbien damals der mit Morddrohungen konfrontierten argentinischen Mannschaft nicht die gewünschten Sicherheitsgarantien geben konnte, verzichtete der Rekordsieger kurzerhand auf seine Teilnahme. Aber die Leichtigkeit hat bisweilen auch ihre Vorteile. Als Fifa-Präsident Joseph Blatter bekannt gab, dass die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 in Südamerika stattfinden wird, hatten sich die befreundeten Verbandspräsidenten bereits darauf geeinigt, dass das Turnier von Brasilien ausgerichtet werden soll. Eine Einmütigkeit, die in Europa undenkbar ist.

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