Sport : Wandlung der Sphinx

Dortmunds Marcio Amoroso trifft und arbeitet endlich

Felix Meininghaus

Dortmund. Als Marcio Amoroso gegen Lokomotive Moskau nach 82 Minuten unter dem Applaus der 48 000 Zuschauer im Westfalenstadion seine Arbeit beendete, führte sein erster Weg zu Matthias Sammer. Es folgten eine herzliche Umarmung und der Abgang des Stars, der dem Spiel Borussia Dortmunds in der zweiten Hälfte Glanz verliehen hatte. Das zweite Tor hatte Amoroso per Flanke vorbereitet, das dritte selbst erzielt. Am Ende haben die Dortmunder ihre Pflicht in der Champions League mit einem klaren 3:0 (1:0) erfüllt und sich eine kleine Chance auf das Erreichen des Viertelfinals erhalten.

Danach war beim BVB viel von Comeback, gar Wiedergeburt die Rede, als habe Amoroso wegen körperlicher Malaisen lange gefehlt. Dabei war der 28-Jährige in diesem Jahr immer fit. Doch seine Fähigkeiten hat der Brasilianer oft vorenthalten. Als sei seine Fußballkunst ein kostbarer Schatz, den man nur zu besonderen Anlässen hervorholt. Jedoch war er vergangene Woche im wichtigen Spiel gegen Real Madrid noch blass geblieben. Vergessen waren die Tore der Vorsaison, als Amoroso den BVB zur Meisterschaft und ins Uefa-Cup-Finale schoss. In letzter Zeit trieb die Diva die Fans mit seiner provozierend lässigen Art zur Verzweiflung. Auch Sammer schien die Geduld verloren zu haben. Er setzte Amoroso häufiger auf die Bank und sagte Sätze wie: „Wir werden weiter hart daran arbeiten, ihn hinzukriegen.“

Nach dem 3:0 sprach Sammer von einem „Neuanfang“. Wobei der strengste Richter des Wankelmütigen betonte, Amorosos Tor sei „nicht so entscheidend“ gewesen: „Das Wichtigste ist, dass er dem Team signalisiert, dass er beißt. Aber er ist noch lange nicht da, wo wir ihn haben wollen.“ Auffallend war, wie sehr sich Amoroso um Bindung zu seinen Mitspielern mühte. Stets suchte er den besser postierten Nebenmann und munterte seine Kameraden nach missglückten Aktionen auf. Kapitän Stefan Reuter fand Amorosos Vorstellung schlicht „sensationell“.

Ein wenig wortkarger gab sich Amoroso selbst. „Der Mund ist geschlossen“, war sein einziger Satz. Es bleibt dabei: Der Mann genießt es, rätselhaft zu sein wie eine Sphinx.

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