Sport : Warten auf die Talkshow

Wie Schwimmer Thomas Rupprath bekannter werden soll

Frank Bachner

Berlin. Am Samstagabend war Thomas Rupprath zum Essen. Er saß in einem besseren Restaurant in Berlin, dann kam ein Kellner und sagte plötzlich: „Ich kenne Sie. Sie waren bei Raab im Fernsehen.“ Bei Raab im Fernsehen, das ist ein echter Karrieresprung. Wer bei Raabs TV-Show sitzt, der hat sich einen beachtlichen Marktwert erarbeitet. Freilich, irgendwie war Raab aber auch Pflicht für Rupprath, sonst hätte man sich ernsthaft Gedanken über seine Bedeutung machen müssen. Der 24-Jährige hatte bei der Schwimm-EM in Berlin im Windschatten von Franziska van Almsick tagelang einen Platz vor den Fernsehkameras. Der Kurzbahn-Dauersieger hatte bei besten TV-Quoten endlich zwei Titel auf der 50-m-Bahn gewonnen. Er hatte nun endlich Aufmerksamkeit. Rupprath ist ein netter Kerl, aber sein Stöhnen über zu wenig Sponsoren wollte irgendwann keiner mehr hören.

Wer bei Raab plaudert, verdient natürlich auch mehr als ein Nobody. Rupprath hat gerade den Ausrüster gewechselt, und jetzt verdient er dreimal so viel wie bei seinem alten Partner. Eine sechsstellige Summe, heißt es in der Szene. Ruppraths Manager Stefan Füg sagt bloß: „Der Thomas ist zufrieden.“

Füg arbeitet für den Vermarkter IMG, und er gibt sich große Mühe, Rupprath als Mann mit großer Zukunft darzustellen. Als einen Schwimmer, den immer mehr Leute nicht bloß in seiner Badehose wahrnehmen, sondern als Persönlichkeit. Rupprath, sagt Füg, „ist auf dem besten Weg, eine Person des öffentlichen Interesses zu werden“.

Ja, ist er das? Seltsam, je mehr Details Füg nennt, umso stärker wird der Eindruck, dass Ruppraths mediale Bedeutung und sein Marktwert kleiner sind, als man nach dieser EM denken könnte, und beträchtlich kleiner, als sein Manager es darstellt. Große Schwimm-Wettkämpfe sind ja selten, deshalb muss Rupprath in der Zwischenzeit anderweitig bundesweit präsent bleiben. Kein großes Problem, es gebe Termine, die weg vom Sport gehen, sagt Füg sinngemäß. Einen Termin wie Raab etwa. Nur: Mehr Termine dieser Güteklasse gab es nicht, in den ganzen sechs Monaten seit der EM 2002 nicht. „Wir haben in Berlin eine Liveschaltung zum WDR“, sagt Füg. Nur ist das ein überaus schwimm-naher Termin. Und die Deutsche Welle, sagt Füg, habe vor dem Weltcup viele Plakate mit Rupprath aufgehängt. Das ist allerdings auch nur mäßig beeindruckend.

Füg beginnt jetzt Talkmaster aufzuzählen, mit denen man im Gespräch sei: Beckmann, Kerner, eine NDR-Talkshow, Verhandlungen liefen. Bis ins Studio hat’s Rupprath aber noch nicht geschafft. Einen Werbevertrag hat Rupprath seit der EM abgeschlossen. mit einer Stiftung, die Akupunktur anbietet und propagiert. „Der Vertrag ist lukrativ“, sagt Füg. Aber den wirklich lukrativen Vertrag, einen, der auch inhaltlich zu dem 13-maligen Kurzbahn-Europameister passt, auf den wartet Füg noch. „Den haben wir zum Glück nach der EM nicht abgeschlossen“, sagt der Manager. Füg will erst Ruppraths Marktwert steigern und dessen öffentliches Bild als Persönlichkeit verstärken. Als echte Persönlichkeit wird bis jetzt allerdings nur ein Schwimmstar wahrgenommen: Franziska van Almsick. Rupprath spielt in einer anderen Liga, ihn für so eine anspruchsvolle Rolle aufzubauen, ist sehr schwer. Vor allem, wenn er bei der WM 2003 nur Silber oder Bronze gewinnt. „Das alles geht natürlich nicht so schnell,“, sagt Füg schließlich, „aber wir liegen gut im Zeitplan.“ Interessant. Und wie sieht der aus? Das kann Füg nun wieder schlecht beschreiben.

Wenn in diesen Plan auch noch Ian Thorpe, der australische Superstar, einbezogen werden soll, wird es ganz schwierig. Thorpe nimmt Rupprath nicht mal als Schwimmer wahr, er nimmt ihn überhaupt nicht wahr. „Thorpe“, sagt Rupprath, der Gesamt-Weltcupsieger, „kennt mich nicht. Wir gehen grußlos aneinander vorbei.“

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