Sport : Warum ich für Tennis Borussia bin (Meinung)

Holger Stark

Diese Pokalderbys sind für uns TeBe-Fans ein Glücksfall: Sportlich, weil es immer schön ist, besser Fußball zu spielen als ein Erstligist; das war bereits vergangenes Jahr so und wird heute Abend wieder so sein. Und kulturell erst recht: Weil wir dann zeigen können, dass es auch anders geht. Wir TeBe-Fans sind der Meinung, dass Fußball nicht heißen muss, die feindlichen Spieler zu schmähen und die gegnerischen Fans zu prügeln. Dass wir deshalb Hertha-Hools nicht unbedingt mögen, versteht sich von selbst: Wer, wie Hertha-Fans nach der Pokal-Niederlage gegen TeBe im vergangenen Jahr, eine Autobahn nach Auschwitz bauen möchte und all jene mit lila-weißen Schals körperlich attackiert, die einfach Fußball gucken wollen, verdient nichts als innige Feindschaft. Besonders beeindruckt hat uns in diesem Zusammenhang auch das von frustrierten Hertha-Hools vorgetragene Argument, Hertha sei "wenigstens deutsch". Schönen Gruß an Kiraly, Aracic, Sanneh, Sverrisson, Covic und Rekdal.

Es fällt Anhängern von Hertha offenbar schwer anzuerkennen, dass TeBe eine andere Fan-Kultur besitzt. Der Verein war schon immer durch seine Charlottenburger Heimat geprägt. Letztlich reduziert sich der kulturelle Unterschied auf die Frage der Herkunft: Das gutbürgerliche Charlottenburg versus den proletarischen Hertha-Wedding. Die Anhängerschaft von TeBe reicht von Juppys Ufa-Fabriktrommlern über sympathische Familienväter bis hin zu einem harten Kern an Fans, die sich nicht scheuen, den TeBe-Adler in den Oberarm zu tätowieren. Einendes Moment ist im Mommsenstadion die Gewaltlosigkeit, die Abneigung gegen rechtsextreme Sprüche und die Begeisterung für guten Fußball. Das sollte reichen, um für TeBe zu sein. Auch wenn das für einen Herthaner schwer verständlich ist.

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