• Was Herthas Verteidiger Dick van Burik für Barcelonas Trainer Louis van Gaal so interessant macht

Sport : Was Herthas Verteidiger Dick van Burik für Barcelonas Trainer Louis van Gaal so interessant macht

Michael Rosentritt

Vom Sternbild ist er Schütze, von Beruf Verteidiger. Und was für einer, sagt sein Trainer Jürgen Röber. "Für mich ist Dick van Burik einer der besten Manndecker der Bundesliga." Wenn die Konkurrenz vor zwei Jahren in einer Art Vorabverbeugung von Hertha BSC als schlafenden Riesen gesprochen hat, so dachte damals niemand im Ernst daran, dass der Riese so schnell aufwachen würde. Wer oder was auch immer den Riesen geweckt hat, vom Schlummer bis in die Champions League dauerte es nicht lange. Dass aber Hertha BSC im augenblicklichen Trudeln nicht wieder vollends eingeschlafen ist, haben die Berliner Spielern wie van Burik zu verdanken. Der Verteidiger zählt zu den wenigen, die ihre Form aus der zurückliegenden Saison ins zwölf Spieltage alte "Auf-ein-Neues" hinüberretten konnten. Und in der Champions League bereitete der Niederländer stürmenden Stars wie Mailands Schewtschneko oder Chelseas Zola ungemütliche Abende. "Es läuft ganz gut", sagt der Mann aus Utrecht. Zurückhaltender lässt es sich kaum formulieren.

Und das, obwohl er sich wie Model auf dem Laufsteg unverwechselbar machen kann. Van Buriks Vertrag läuft im Juni 2000 aus. "Ich bin dann 26 Jahe alt und ablösefrei. Für einen Fußballer kommen dann die drei besten Jahre." Nun haben die Herren Röber und Hoeneß selbst lange genug gegen den Ball getreten, um diese Aussage einordnen zu können. "Natürlich wollen wir ihn halten", sagt Röber. "Wenn man bedenkt, dass er zwei Drittel seiner Berliner Jahre verletzt war, ist seine Entwicklung sensationell."

Über fehlende Nachfragen kann sich van Burik nicht beschweren. Drei aus der Bundesliga und jeweils ein Angebot aus England, Holland und aus Spanien habe er. "Ich will aber zu erst mit Hertha sprechen, schon aus Respekt vor diesem Verein." Mit seiner Familie habe er beschlossen, noch bis 30 im Ausland zu spielen, "es sei denn, ein ganz großer Verein würde sich melden." Zum Beispiel der heutige Gegner. Dem FC Barcelona, speziell Trainer Louis van Gaal, darf eine gewisse Affinität für niederländische Fußballer unterstellt werden. Acht dieser Spezies stehen im Team des holländischen Trainers. Und nicht nur zum Frieren saß vergangenen Sonnabend Co-Trainer Ronald Koeman im Olympiastadion. Doch Röber will seinen zuverlässigsten Mann ein, zwei Überlegungen mit auf dem Weg an die Verhandlungstische geben: "Wir wissen mittlerweile, wie er zu trainieren ist. Dies muss bei einem neuen Verein nicht so sein, oder aber könnte etwas dauern."

Doch auch Röber weiß, dass "Dick in Barcelona keine Verständigungsprobleme hätte". Den einen oder anderen Barca-Spieler kennt van Burik noch aus gemeinsamen Tagen bei Ajax Amsterdam. Dort debütierte er als 18-Jähriger im Profiteam, allerdings setzte der Trainer damals noch auf Spieler wie Clarence Seedorf und Edgar Davids. Dieser Trainer war Louis van Gaal. Während es ehemalige Mitstreiter bis in die Nationalmannschaft brachten, geriet van Burik nach 25 Juniorenländerspielen und seinem Wechsel nach Berlin aus dem Blickfeld. Für immer? Van Burik überlegt kurz. "Ich will für Holland spielen, das ist mein Ziel."

Dieses erreicht hatte van Buriks Vereinskollege Bryan Roy, der ebenfalls die berühmte Ajax-Schule durchlief. Der 29-Jährige brachte es auf 32 Berufungen für die Nationalmannschaft, was ihn wiederum interessant machte für Röber und Hoeneß. Doch nach weniger aufsehenerregenden Auftritten des Feinmotorikers und schließlich einer bösen Verletzung vor einigen Monaten ist Roy derzeit weit vom dem entfernt, wo er sich gerne sehen würde. Roy lässt kaum eine Gelegenheiten aus, zu beteuern, dass er sich fit fühle. Allein der Trainer sieht es geringfügig anders. "Über seine fußballerischen Qualitäten muss ich ja wohl nichts mehr sagen. Er hat körperlich jetzt Fortschritte gemacht, aber es reicht noch nicht. Er muss den Ball auch mal fordern und nicht nur nebenher laufen. Fragen Sie mal den Dick", sagt Röber, "der hat ihm so oft gesagt: Bryan, du musst hier so und nicht anders spielen."

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