Sport : Was kriegst du?

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Michael Rosentritt über Weihnachtswünsche im Sport

Es soll ja Menschen unter uns geben, die sich gar nichts mehr schenken wollen. Das heißt aber nicht, dass sie keine Wünsche haben. Schenken macht Mühe. Und es setzt Wünsche voraus. Also wünschen wir uns jetzt mal was. Wir: als Sportler, als Sympathisanten des Sports, als Sportskeptiker.

Die Sportler wünschen sich kleine Zeiten, große Weiten, schöne Tore – also all das, was ihnen Ruhm und Reichtum näher bringt. Die Sympathisanten des Sports hoffen auf emotionale Wettkämpfe, packende Finals, wahre Helden – sie wollen gut unterhalten werden, zum Beispiel bei Olympia in Athen oder der Fußball-EM in Portugal. Was aber wünschen sich die Sportskeptiker für das nächste Jahr? Einfach alles, nur eben keinen Sport? Oder wenigstens weniger Fußball im Fernsehen? Das Ende des Dopings? Schenken kann ganz schön schwer sein.

Für das neue Sportjahr gibt es viele Wünsche, kleine und große, vage und konkrete. Die Berliner Wasserballer von den Wasserfreunden Spandau 04 wünschen sich bestimmt nichts sehnlicher, als endlich ganz groß rauszukommen, und veranstalten dafür eine Menge Klamauk am Beckenrand. Oder die Fußballer von Hertha BSC. Die wünschen sich, dass sie im kommenden Jahr nicht absteigen und vor leeren Rängen im teuersten Stadion des Landes spielen müssen. Dafür haben sie jetzt einen neuen Trainer gekriegt und sollen auf Geld verzichten. Die Bürger Leipzigs schließlich, selbst die, die mit Sport nichts am Hut haben, werden sich wünschen, dass ihre Stadt nicht schon an der ersten Hürde auf dem Weg zu Olympia scheitert. Dafür gehen sie sogar wieder auf die Straße.

Sich Wünsche zu erfüllen, macht Mühe. Da ist es im Sport wie im Leben. Geschenkt wird einem nichts, wenn doch, dann ist es meist nicht das Richtige. Also: Vielleicht sollten wir uns alle wünschen, gesund zu bleiben oder zu werden. Und etwas dafür tun, ein bisschen beweglicher und dynamischer zu werden. Wünschen allein reicht da nicht.

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