Sport : Wasser marsch

Auch Psychospielchen stoppen die Volleys nicht.

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Groß geschlagen. Tomas Kmet und Kollegen überraschen in den Play-offs. Foto: dpa
Groß geschlagen. Tomas Kmet und Kollegen überraschen in den Play-offs. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Nein, so ein Zufall, dass sich gerade jetzt diese Wasserpfützen auf dem Feld ausbreiteten. Gerade in dem Moment, in dem sich die Volleys etwas abgesetzt hatten, gerade da musste das Wischkommando zur Bank der Friedrichshafener kommen. Kapitän Joao Jose hatte das Wasser verteilt; ob der Mittelblocker gegen eine volle Flasche gestoßen war, offiziell unabsichtlich natürlich, oder sie zertreten hat, ist nicht ganz geklärt. Die Zeugenaussagen sind nicht eindeutig. Auf jeden Fall war der Rhythmus der BR Volleys gestört. Nichts anderes wollte Jose, der Routinier des VfB Friedrichshafen.

Kleines Psychospielchen, gern eingesetzt im Volleyball. Dass der Deutsche Meister zu solchen Mitteln greifen musste, das betrachten sie bei den BR Volleys aber auch schon wieder als Auszeichnung. Dass sich Volleys-Manager Kaweh Niroomand fürchterlich aufregte, weil der insgesamt schwache Schiedsrichter Jose nicht bestraft hatte, gehört auch zum Ritual. Nicht zur Norm gehörte der Kommentar von Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu nach Spielende, nach der 2:3-Niederlage seiner Mannschaft. Moculescu ist Niederlagen nicht gewohnt, vor allem nicht nach einer 2:0-Führung. „Wir führen 2:0 und denken, das geht so weiter. Das geht es aber nicht. Zu Hause kannst du das noch ausbügeln, auswärts aber nicht.“

Auswärts bedeutete in dem Fall die Schmeling-Halle, dort mussten die BR Volleys das zweite Halbfinalspiel der Play-offs einfach gewinnen, das war Pflicht, gemessen an den eigenen Ansprüchen. Also ist die Frage interessanter, wie sie diese Pflichtaufgabe erledigt haben. „Dass wir das Blatt noch gewendet haben, war psychisch eine Riesenarbeit“, sagte Niroomand. Und zugleich der Beweis, dass diese Mannschaft unter extremem Druck ihr Potenzial doch abrufen kann, man hatte ja schon seine Zweifel.

Scott Touzinsky und Tomas Kmet, die Routiniers, führten das Team, der US-Amerikaner Touzinsky mit enorm harten Sprungaufgaben und wuchtigen Angriffsbällen, oft aus dem Hinterfeld, Kmet durch gute Blockabwehr. Urpo Sivula entwickelt sich immer stärker zu einem durchschlagkräftigen Diagonalangreifer, vor allem aber waren die Spieler, die eingewechselt wurden, sofort präsent. Zuspieler Kawika Shoji löste Jaroslav Skach ab, der bis dahin gut gespielt hatte. Aber Trainer Mark Lebedew wollte neue Impulse setzen. Shoji führte ausgezeichnet Regie. Im Außenangriff kam Björn Höhne und überzeugte im Angriff und im Block. „Er hat eine hervorragende Statistik“, sagte Lebedew.

Die hatte er auch, weil Friedrichshafen unerwartete Schwächen zeigte. Viele der gefürchteten Sprungaufgaben landeten im Netz, der Block war durchlässiger als sonst, und die Annahme wackelte. Vermutlich hatten die Schwaben in dieser Saison nur wenige Phasen, in denen sie so ratlos wirkten wie gestern in den letzten drei Sätzen. „Mit der Brechstange“ hätten es seine Spieler im fünften Satz versucht, klagte Moculescu. Brechstange, das klingt bei einer Spitzenmannschaft wie Friedrichshafen schon ein bisschen nach Verzweiflung. „Wir waren aggressiver als im ersten Spiel und in der Annahme stabiler“, sagte Lebedew.

Kann natürlich auch sein, dass die Schwaben deshalb verkrampften, weil fünf Sätze ihren Zeitplan durcheinanderbrachten. Nach zweieinhalb Stunden erst, gegen 18.30 Uhr, war das Spiel vorbei, kalkuliert hatten die Gäste offenbar mit einem schnellen Sieg. Darauf deutet jedenfalls ihr Reiseplan. Sie wollten ja unbedingt noch am Sonntagabend zurück. Abflug in Tegel, Abflugzeit: 20.15 Uhr. Sie haben’s noch geschafft, ganz knapp.

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