Wasserspringen : Deutschlands erste Medaille

Wie die Berlinerin Ditte Kotzian mit der Leipzigerin Heike Fischer Olympia-Bronze im Synchronspringen vom 3-Meter-Brett geholt hat.

Friedhard Teuffel[Peking]
OLY-2008-DIVING-3M SYNCHRONISED Foto: AFP
Flug aufs Podest. Ditte Kotzian (links) und Heike Fischer.Foto: AFP

Festhalten, es ist eine Medaille! Als die Anzeigentafel den Kunstspringerinnen Ditte Kotzian und Heike Fischer verraten hatte, dass ihre fünf Synchronsprünge mit Bronze belohnt werden, waren sie nicht mehr auseinander zu bringen, sie ließen sich gar nicht mehr los, da konnten die deutschen Trainer noch so viel an ihnen zerren. Als sie wieder auftauchten aus der Umklammerung, wischten sich die beiden Wasserspringerinnen erst einmal die Tränen aus dem Gesicht.

Die erste deutsche Medaille bei diesen Olympischen Spielen gibt es gleich zweimal, sie hing nach dem Synchronspringen vom 3-Meter-Brett der Berlinerin Ditte Kotzian und der Leipzigerin Heike Fischer um den Hals. Es war der glückliche Ausgang eines dramatischen Wettkampfs: Fünfter nach dem ersten und zweiten Sprung, Vierter nach dem dritten Sprung, Dritter nach dem vierten Sprung – gleichauf mit den Amerikanerinnen Kelci Bryant und Ariel Rittenhouse. Die beiden Paare waren auch noch als letzte dran in diesem Wettbewerb, als Siebte und Achte in der von 10 000 Menschen bevölkerten Schwimmhalle von Peking.

Der letzte Sprung, der fünfte für Kotzian und Fischer, ein zweieinhalbfacher Auerbachsalto gehechtet. „Das ist ein Punktebringer, damit kann man nach vorne kommen“, sagte Fischer. Nachdem sie ganz ins Wasser eingetaucht waren, spritzten einige Tropfen mehr als gewöhnlich durch die Luft, doch der Sprung war offenbar synchron genug für gute Noten. Dann die Amerikanerinnen, zweieinhalbfacher Salto rückwärts gehechtet, gleicher Schwierigkeitsgrad wie der Sprung der Deutschen. Die Kampfrichter gaben weniger Punkte. „Sie sind unterschiedlich weit gesprungen“, wollte der deutsche Bundestrainer Lutz Buschkow gesehen haben, so gab es nur noch einen dritten Platz, den für Kotzian und Fischer. „Wir dachten, wir machen es mal ein bisschen spannend, damit unsere Sportart populärer wird“, sagte Kotzian, „nein, wir wussten gar nichts über die Zwischenstände.“

Ihre Medaille haben sich Kotzian und Fischer angelacht, so müsste man es fast sagen, auch wenn es ein bisschen kitschig klingt. Am Abend und am Morgen vor dem Wettkampf sei sie noch unglaublich aufgeregt gewesen, erzählte Kotzian. „Aber dann hat sich einfach eine unglaubliche Freude bei mir eingestellt, Vorfreude darauf, dass wir endlich unseren Wettkampf springen können. Da konnte ich gar nicht anders als strahlen. Ich habe Heike ständig angestrahlt.“ Das hatte mindestens eine beruhigende Wirkung. „Ditte hat mir durch das Anlächeln ein gutes Gefühl geben. Da ist der Funke dann auch übergesprungen“, sagte Fischer.

Dagegen wirkten die beiden Chinesinnen Guo Jing Jing und Wu Minxia sehr ernst, obwohl sie noch mehr erreichten als die beiden Deutschen, sie gewannen die Goldmedaille vor den Russinnen Julia Pakalina und Anastasia Poschtnjakowa. „Ich helfe mir im Wettkampf mit Lachen, andere sind vielleicht mehr in sich gekehrt“, sagte Kotzian.

Um synchron zu springen, ist es vielleicht ein Vorteil, sonst sehr verschieden zu sein. „Ich bin eher die Entspanntere, Heike ist ein bisschen hibbelig“, sagte die 29 Jahre alte Kotzian, die an der Humboldt-Universität in Berlin Sportwissenschaften studiert und gelegentlich als DJane „Rubina Pink“ Platten aufgelegt hat. Auf dem Sprungbrett alles gleich machen zu müssen, hat bei den beiden aber auch in vielen Trainingseinheiten noch keinen Krach ausgelöst. „Wir wohnen ja nicht zusammen“, sagte die 25 Jahre alte Fischer, „selbst nach zwei Wochen sind wir uns noch nicht auf den Keks gegangen.“

Ihr olympischer Erfolg wird sie jetzt wohl noch mehr miteinander verbinden. Und wenn die Bronzemedaille für Ditte Kotzian und Heike Fischer nicht gerecht gewesen wäre, hätte das Kampfgericht bestimmt anders entschieden. Ein Schiedsrichter des Wettkampfs hieß Robin Hood.

Mehr zu Ditte Kotzian im Berliner Olympiablog "Heimvorteil".

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