WBSS im Boxen : Huck setzt gegen Usyk auf eine wilde Ringschlacht

Marco Huck kämpft am Sonnabend in der Max-Schmeling-Halle in der neuen Boxserie WBSS gegen Aleksandr Usyk – und sein Karriereende.

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Bock auf ’ne Schlägerei. Marco Hucks Karriere geht dem Ende entgegen. Am Samstag kann er sie noch einmal verlängern.
Bock auf ’ne Schlägerei. Marco Hucks Karriere geht dem Ende entgegen. Am Samstag kann er sie noch einmal verlängern.Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ein Hauch von Las Vegas wird Samstagabend durch die Max-Schmeling-Halle wehen. Eben noch zog ein irrer Kampf die Augen der Welt auf die Spielerstadt, wo sich einer der besten Boxer des Planeten, Floyd Mayweather, und Conor McGregor, einen der besten Mixed-Martial-Arts-Kämpfer, duellierten. Eine halbe Milliarde Dollar setzte dieses Event um. Nun also Prenzlauer Berg. Nein, nicht Mayweather wird kommen, der zählt sein Geld, aber Jimmy Lennon jr., der es zu einem angesagten Ringsprecher gebracht hat und in Las Vegas die Kämpfer in den Ring rief.

Am Samstag wird er WBO-Weltmeister Aleksandr Usyk und den ehemaligen Cruisergewichts-Champion Marco Huck in den Ring rufen. „Aleksandr Usyk als Olympiasieger und Weltmeister sowie Marco Huck, der den Rekord für die häufigsten WM-Titelverteidigungen in dieser Gewichtsklasse hält. Ein großer Kampf!“, sagt Karl-Robbin „Kalle“ Sauerland, der Chief Boxing Officer des Veranstalters Comosa.

Mit diesem Kampf in der deutschen Hauptstadt startet die World Boxing Super Series (WBSS), eine 50 Millionen Dollar schwere Turnierserie, wobei neben dem Cruisergewicht auch im Super-Mittelgewicht jeweils acht erstklassige Boxer antreten. In den nächsten acht Wochen werden in sechs Ländern die Viertelfinals ausgetragen. Im Januar und Februar kommt es zu den Halbfinals, im Mai werden die Sieger der beiden Limits jeweils um zehn Millionen Dollar reicher werden. Im Cruisergewicht wird der Sieger auch die WM-Titel der vier großen Weltverbände (WBA, WBC, IBF und WBO) auf sich vereinigt haben. Denn anders als im Super-Mittelgewicht sind in Hucks Gewichtsklasse alle vier Champions am Start.

Natürlich geht es auch um die Muhammad-Ali-Trophy. Die hat übrigens der inzwischen verstorbene Bildhauer Silvio Gazzaniga aus Mailand entworfen, der schon den berühmten Fußball-WM-Pokal schuf. „Der Pokal trägt den Namen des größten Boxers aller Zeiten“, sagt Aleksandr Usyk. Der 30-Jährige sieht sich schon deswegen in einer Reihe mit dem Größten, weil er wie Ali an einem 17. Januar geboren wurde.

Bei solchen Sätzen muss Huck schmunzeln. Sein Blick sagt: Das wird ihm auch nicht helfen. Der 32 Jahre alte Wahl-Berliner gilt für ziemlich viele als Außenseiter, er kommt aus einer Niederlage und kämpft eigentlich gegen sein Karriereende.

Auch eine Art Videobeweis wird bei der WBSS erstmals eingesetzt

Tatsächlich möchte die neue Boxserie etwas Glamour verbreiten und sich auch sportlich als Champions League des Boxens etablieren. Im Gegensatz zum Super-Six-Turnier, das zwischen 2009 und 2011 mit wenig durchschlagendem Erfolg durchgeführt wurde, ist die neue Serie durchdachter und straffer. So wird in beiden Gewichtsklassen nach K.-o.-Modus geboxt, für den Verlierer ist das Turnier beendet. Zudem werden statt drei bei allen Turnierkämpfen vier Punktrichter im Einsatz sein. Der vierte Mann am Ring kommt dann zum Einsatz, wenn die anderen drei keinen Sieger bestimmen können. „Bewertet er den Kampf allerdings auch Unentschieden, entscheiden allein die Wertungen der letzten Runde“, erklärt Sauerland.

Interessant ist auch die Einführung einer Art Videobeweis. Das „Instant Replay“ wird angewendet, wenn brenzlige und eventuell kampfentscheidende Situationen bewertet werden müssen. So ließen sich absichtliche Tiefschläge und Kopfstöße bestrafen. Auch rein optisch wird es eine Veränderung geben. Im Parkett der Schmeling-Halle werden die Zuschauer kreisförmig um den Boxring sitzen. Mit 5000 bis 6000 Zuschauern wird gerechnet.

Der hünenhafte Usyk, der von den Klitschkos promotet wird, hat viele Vorteile auf seiner Seite. Er ist mit 1,91 Meter etwas größer als Huck, er hat die gediegenere Boxschulung erhalten, er wurde bei den Amateuren Europa- und Weltmeister. Zudem boxt er in Rechtsauslage, eine Auslage, die viele Boxer als unangenehm empfinden.

Allerdings ist er als Profi nicht sonderlich erfahren. Er bestritt lediglich zwölf Profikämpfe. Vor einem Jahr, in seinem zehnten Kampf, schlug er den Polen Krzysztof Glowacki, der im August 2015 Huck den WM-Titel nach WBO-Version abgeknöpft hatte. Diesen Titel hatte Huck zwischen 2009 und 2014 13-mal erfolgreich verteidigt. „Ich glaube nicht, dass er viele Schlachten geschlagen hat“, sagt Huck, der 40 seiner 45 Kämpfe gewann, davon 27 durch Knockout. „Ich weiß, dass ich ein Krieger bin“, sagt Huck, „egal, was meine Augen sehen, ich fürchte mich nicht.“ Zu gern würde er Usyk in eine wilde Ringschlacht verwickeln, vielleicht ist es seine einzige Chance. Ein wenig deutete sich dies schon während der obligatorischen Pressekonferenz an. Beim anschließenden „Face to Face“ gab es einen Schubs von Huck in Richtung Gegner, der daraufhin die Finger zu einer Pistole formte und auf Huck zielte. Der lachte den Champion aus: „Hau bloß ab, sonst hau ich dir ein paar hinter die Ohren.“

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