Wechselspiele : Alba: Bajramovic geht, Golemac kommt

Alba Berlin trennt sich auch von Kenan Bajramovic vorzeitig und verpflichtet den slowenischen Nationalspieler Jurica Golemac. Damit hat sich auch der zweite der beiden Neuzugänge des Sommers als Flop entpuppt.

Helen Ruwald
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Albas Neuer. Jurica Golemac spielte letzte Saison für Panellinios Athen und stand zuletzt bei Panathinaikos unter Vertrag. -Foto: Imago

Berlin - Schon bei seiner Vorstellung in Berlin hatte Kenan Bajramovic ziemlich gleichgültig gewirkt. Dass sein neuer Verein Alba Berlin hieß, schien ihm egal zu sein, der Klub war von der ersten Minute an austauschbar. „Wir sind Profis. Wir kommen, geben das Beste für den Klub und uns selbst und gehen wieder“, hatte er Anfang September gesagt. Zumindest aus Albas Sicht hat der 28-jährige Bosnier allerdings nicht das Beste gegeben – gestern informierte der Basketball-Bundesligist über die einvernehmliche Auflösung des Vertrags. Schon am Mittwoch flog sein Nachfolger ein: Der 32 Jahre alte slowenische Nationalspieler Jurica Golemac von Panathinaikos Athen erhält einen Vertrag bis zum Saisonende. Beim Europaliga-Sieger sprang der 2,09 Meter große Power Forward als Ersatz für mehrere verletzte Profis ein, zwischen Ende Oktober und Ende November bestritt er je vier Spiele in der griechischen Liga und der Europaliga und erzielte in durchschnittlich neuneinhalb Minuten Spielzeit im Schnitt 2,5 Punkte pro Spiel.

Albas Trainer Luka Pavicevic spricht von der „nicht erfolgreichen Integration“ Bajramovics, durch die „das hart arbeitende Team“ behindert worden sei. „Der Integrationswille war nicht ausreichend“, sagt auch Alba Berlins Geschäftsführer am Tag nach der 76:93-Niederlage bei Galatasaray Istanbul. Alba bleibt Tabellenführer der Gruppe A und benötigt aus den beiden ausstehenden Spielen noch einen Sieg für den Einzug in die nächste Runde. Vor allem aber sollen Berlins Profis den Meistertitel gewinnen. „Dazu braucht man Spieler mit hundert Prozent Commitment“, sagt Baldi.

Also keinen wie Bajramovic. In Istanbul traf er bei seinem letzten Auftritt im Alba-Trikot zwei Dreipunktewürfe, in der Bundesliga hatte er in den vergangenen beiden Spielen jeweils mindestens neun Punkte erzielt und fünf Rebounds geholt. Doch Alba hatte sich von dem vermeintlichen Glücksfall für den Klub, den schon der frühere Alba-Trainer Emir Mutapcic vor Jahren hatte verpflichten wollen, mehr erwartet. „Er hat große basketballerische Fähigkeiten, wir kannten ihn genau. Dass es so laufen würde, war nicht zu erwarten“, sagt Baldi. Bajramovic flog gestern noch mit dem Team nach Berlin zurück, ehe sich die Wege trennten. „Wir sind offiziell noch nicht informiert worden“, sagte Albas Spielmacher Steffen Hamann am frühen Abend, fünf Stunden nachdem der Klub die Mitteilung auf seine Homepage gestellt hatte, „ich möchte dazu noch nichts sagen.“

Baldi hat es nun mitzuverantworten, dass beide Spieler, die der Klub in der Sommerpause verpflichtete, sich als Flop herausstellten und vorzeitig gehen mussten. Die Situation bei Lee Cummard war allerdings anders. Der junge US-Amerikaner kam vom College nach Europa und wirkte völlig überfordert. „Das war sein erstes Profijahr, es war ein relativ hohes Risiko, ihn zu holen“, sagt Baldi nach dem gescheiterten Experiment, das auch finanzielle Gründe hatte: In Zeiten der Wirtschaftskrise war Flügelspieler Casey Jacobsen nicht mehr zu bezahlen. Also kam das Leichtgewicht Cummard, von dem sich Pavicevic „mehr physische Präsenz“ gewünscht hätte.

Albas Sportdirektor Henning Harnisch hatte Cummard bei einem Sichtungsturnier in den USA entdeckt, Pavicevic hatte ihn auf Videos gesehen und für geeignet befunden - doch nur sieben Wochen nach seiner Ankunft in Berlin reiste der 24-Jährige schon wieder ab. Inzwischen spielt er bei Utah Flash in der NBDL, der NBA-Entwicklungsliga.

Dass Alba seine Scouting-Politik angesichts des doppelten Scheiterns überdenken muss, findet Baldi nicht. „Damit haben wir über Jahre extrem gut gelegen“, sagt er. Eine Schwierigkeit sei gewesen, dass sowohl Cummard als auch Bajramovic sich in ein eingespieltes, im Vergleich zum Vorjahr unverändertes Team hätten einfügen müssen. Das aber konnten oder wollten sie nicht. Auch Golemac werde Zeit brauchen, sagt Baldi, „aber er ist ein sehr erfahrener Spieler und ich denke, er freut sich auf Berlin.“ Womit Golemac, der vergangene Saison für Panellinios Athen spielte, sich ja schon mal von Bajramovic unterscheidet. Und im Gegensatz zu Cummard ist er in Berlin kein Unbekannter: 2006/07 machte er im Trikot von Hapoel Jerusalem in zwei Spielen im Schnitt 13,5 Punkte gegen Alba.

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