Sport : Weg zurück nach vorn

Die 35-jährige Monique Garbrecht-Enfeldt kehrt aus Salt Lake City nach Berlin zurück und nimmt zum letzten Mal Anlauf für Olympia

Friedhard Teuffel

Berlin - Im Spätherbst ihrer Eisschnelllauf-Karriere ist Monique Garbrecht-Enfeldt noch einmal ganz schön durcheinander geraten. Soll sie überhaupt weiterlaufen? Wo soll sie sich auf die Wettkämpfe vorbereiten? Und wer soll ihr Trainer werden? „Ich bin im Frühjahr ein bisschen kopflos herumgerannt“, erzählt die fünffache Sprintweltmeisterin. Nach vielen Gesprächen mit ihrem Mann und einigen Trainern hat die 35-Jährige eine Entscheidung getroffen: Sie unternimmt noch einmal einen letzten olympischen Anlauf bis Turin 2006, und sie kehrt aus Salt Lake City in ihre Heimatstadt Berlin zurück.

Das klingt nach einer einfachen Lösung. Doch in Wirklichkeit ist es ein schwieriger Kompromiss. Als sie vor zwei Jahren zum niederländischen Trainer Bart Schouten in die Olympiastadt Salt Lake City wechselte, war das ein Schritt mit Herz und Verstand. Sie wollte einmal in einem anderen Land leben und auch auf dem Eis Veränderung spüren. Dafür hatte sie sich den richtigen Trainer ausgesucht, Schouten setzte sich von Anfang an kritisch mit ihrer Technik auseinander.

Aus Salt Lake City hat sich Garbrecht jedoch verabschiedet, weil die Welt ihr einfach zu weit geworden ist. Ihr Mann Magnus Enfeldt ist nämlich seit ein paar Monaten zuständig für die Organisation der Eisschnelllauf-Wettbewerbe bei Olympia 2006 in Turin. „Das Dreieck Salt Lake City – Berlin – Turin war mir einfach zu groß“, sagt sie, „entweder wäre ich privat auf der Strecke geblieben oder beruflich.“

Beim Urlaub mit ihrem Mann, einem ehemaligen schwedischen Eisschnellläufer, haben sie in einer Hütte in Schweden zunächst einmal diskutiert, ob sie überhaupt weiterlaufen soll. „Die vergangene Saison war so frustrierend. Ich wollte vom Eisschnelllaufen erst einmal nichts mehr wissen.“ Wegen einer Verletzung im Knie hatte sie in diesem Jahr gar keine Wettkämpfe bestreiten können. „Magnus hat mir dann gesagt: Du bist jetzt enttäuscht, aber du hast noch so viel Feuer in dir.“

Der Frust erschien ihr schließlich als schlechter Ratgeber für ihre weitere Karriereplanung. Sie hatte schon einmal Mitte der Neunzigerjahre im Zorn ihre Karriere beendet. Deshalb entschied sich Garbrecht-Enfeldt nun für einen neuen Versuch in Deutschland. „Ich schaue nicht zurück. Das ist eine Sache, die ich in Amerika gelernt habe“, sagt sie und stellt ganz einfach fest: „Jetzt bin ich hier.“

Der Weg zurück war jedoch mit einigen Enttäuschungen verbunden. Monique Garbrecht-Enfeldt wollte zunächst wieder mit ihrem früheren Trainer Thomas Schubert zusammenarbeiten. „Wir haben uns am Anfang lange unterhalten, aber wir konnten uns nicht füreinander entscheiden.“ Dann wollte sie sich der Trainingsgruppe von Jan Coopmans im niederrheinischen Grefrath anschließen. „Der hat mir gesagt: Ich glaube nicht, dass du hier positive Dinge reinbringen kannst.“ Jetzt trainiert sie doch mit Schubert zusammen.

In ihrer neuen Trainingsgruppe ist sie auch gleich für die Abteilung Trainingspartner zuständig. Denn sie sagt: „Mein Problem ist: Wie komme ich zu hohen Geschwindigkeiten?“ Sie hat die besten finnischen Sprinter für sich gewinnen können. Die kommen nun regelmäßig für einige Wochen nach Berlin, um Tempo zu machen. „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, alleine über die Bahn zu rennen“, sagt sie. Sie weiß allerdings, dass die Arbeit mit ihr im Laufe der Jahre nicht leichter geworden ist: „Ich habe meine eigenen Vorstellungen. Wenn man mit mir arbeitet, übernimmt man ein fertiges Produkt.“ Eine neue Vermarktungsagentur hat sich Garbrecht-Enfeldt auch noch suchen müssen. Bisher hatte sich ihr Mann um Sponsoren bemüht.

Trotz der vielen Änderungen hat sie die Saison viel versprechend begonnen. Am Freitagabend wurde sie im Sportforum Hohenschönhausen Deutsche Meisterin über 500 Meter. „Endlich wieder ein guter Start“, sagte sie. An diesem Sonntag will sie auch den Titel über 1000 Meter gewinnen. Das Ziel in dieser Saison ist die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft im März in Inzell. „Da will ich noch eins draufsetzen.“ Danach kommt schon die olympische Saison. Eine Silbermedaille und eine Bronzemedaille hat Monique Garbrecht-Enfeldt schon bei Olympischen Spielen gewonnen. In Turin hätte sie 2006 wohl einen kleinen atmosphärischen Vorteil. Bis dahin wird sie ihren Mann öfter in Italien besuchen. Und sie wird sich dabei sicher auch ein genaues Bild vom Ort der Entscheidung machen.

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