Sport : Wegen 1,2 Millionen Mark Schulden muß der Fußball-Regionalist vors Amtsgericht

Fußball-Regionalligist FSV Zwickau steht vor dem Aus. Der Schatzmeister des Vereins, Karl-Viktor Hass, hat gestern beim Amtsgericht Chemnitz ein Insolvenzverfahren für den FSV eingeleitet. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Holger Löwe, gab diesen Schritt der Mannschaft und dem Trainergespann Hans-Uwe Pilz/Konrad Weise nach dem Vormittagstraining bekannt. Den Tabellen-Vorletzten und ehemaligen Zweitligisten drücken Verbindlichkeiten von über 1,2 Millionen Mark, Insider gehen sogar von über zwei Millionen aus.

Trainer Pilz, der das Nachmittags-Training ausfallen ließ, weiß noch nicht, wie es weitergeht und welche Spieler ihm am Sonnabend im Sachsen-Derby beim FC Erzgebirge Aue zur Verfügung stehen. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) war noch nicht informiert. "Wir wissen noch nichts davon. Auf den Spielbetrieb muss das zunächst ja keine Auswirkungen haben. Hoffentlich nicht", sagte NOFV-Geschäftsführer Klaus Petersdorf.

Der FSV Zwickau war drei Mal DDR-Pokalsieger (1963/1967/1975) und stand in der Saison 1975/76 im Europapokal der Pokalsieger im Halbfinale, wo das Aus gegen den späteren Pokalgewinner RSC Anderlecht kam. Die wirtschaftlichen Probleme hatten dazu geführt, dass die Gehälter für September und Oktober erst vor wenigen Tagen gezahlt wurden. Mit Veselin Popovic(Dynamo Dresden) und Heiko Cramer (Erfurt) haben zwei Leistungsträger den Verein bereits verlassen. Mit Torhüter Rene Groß und Stürmer Rocco Milde (beide Dresdner SC) stehen weitere Stammspieler vor einem Wechsel. Der Trainer rechnet damit, dass weitere Kündigungen folgen werden.

Die Spieler reagierten betroffen auf das eingeleitete Konkursverfahren und übten Kritik an der aufgetretenen Führungskrise. "Es war für uns alle schockierend. Wir stehen zwar sportlich nicht gut da, aber rein rechnerisch ist der sechste oder siebente Platz noch möglich", sagte Kapitän Holm Pinder. Das Präsidium habe bereits vor dem Amtsantritt den Mund zu voll genommen.

Sein Kollege Andre Barylla, der schon acht Jahre lang beim FSV Zwickau spielt, hat alle Höhen und Tiefen im Verein mit gemacht. "Ich habe hautnah die Machtübernahme des Präsidiums vor fast zwei Jahren erlebt und bin entsetzt, was diese "Finanzexperten" beim FSV angerichtet haben. Es ist allerdings auch eine Katastrophe, was wir sportlich in der ersten Halbserie bisher geboten haben."

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