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Wegen Bob Hanning? : Bernhard Bauer tritt als Präsident des Deutschen Handballbundes zurück

Völlig unerwartet ist Bernhard Bauer als Präsident des Deutschen Handballbundes zurückgetreten - wohl auch aus Frust über Füchse-Manager Bob Hanning. Der Rücktritt stürzt den Verband in eine Führungskrise.

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Zwischen Bernhard Bauer (re.) und Bob Hanning war es am Rande der WM zu Missstimmungen gekommen.
Zwischen Bernhard Bauer (re.) und Bob Hanning war es am Rande der WM zu Missstimmungen gekommen.Foto: Imago

Es waren turbulente Wochen für Kurt Hochstuhl. Er ist Leiter des Landesarchivs Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, das seit kurzem die berühmten Akten über den Doping-Sportarzt Armin Klümper beherbergt. Die Anfragen zu den brisanten Dokumenten häuften sich. Nun tut sich für Hochstuhl auch in seiner Funktion als Präsident des Südbadischen Handballverbandes weitere Arbeit auf: Am Montag trat Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), überraschend von seinem Amt zurück. „Wie bitte?“, fragte Hochstuhl ungläubig, als er davon hörte. „Das ist sehr traurig, denn Bauer war ein fantastischer Präsident.“

Die Reaktion ist repräsentativ für fast alle Akteure im deutschen Handball. Hatte das neue Präsidium unter der Führung Bauers nach der Wahl am 21. September 2013 doch innerhalb kürzester Zeit hohes Ansehen erworben. Bauer hatte nicht nur das Verhältnis zwischen Bundesliga und Dachverband, das lange Zeit zerrüttet war, wieder gekittet. Er holte, gemeinsam mit seinem dänischen Kollegen Per Bertelsen, im Oktober 2013 auch die Männer-WM 2019 nach Deutschland und Dänemark und verschaffte dem mitgliederstärksten Verband der Welt mit seinem bescheidenen Auftritt wieder Reputation.

Der 64-Jährige frühere Ministerialdirektor modernisierte trotz angespannter Finanzlage den Verband und installierte in diesem Zuge mit Mark Schober einen neuen Generalsekretär. Der 42-jährige vertritt nun satzungsgemäß den Präsidenten, bis ein außerordentlicher Bundestag einen neuen Präsidenten gewählt hat. Das muss bis spätestens Anfang August geschehen.

Bauer warf dem Manager der Füchse Berlin fehlende Teamfähigkeit vor

Er habe sich seinem Amt mit seiner ganzen Arbeitskraft und mit viel Energie verschrieben, teilte Bauer zum Abschied mit. „Doch habe ich auch erkennen müssen, dass immer wieder Eigeninteressen eine gewichtige Rolle spielen.“ Diese Aussage ist eindeutig auf Bob Hanning gemünzt. Mit dem Vizepräsidenten Leistungssport im DHB hatte Bauer seit Beginn seiner Amtszeit große Konflikte ausgetragen.

Bauer warf dem Manager der Füchse Berlin fehlende Teamfähigkeit vor. Der Zoff hinter den Kulissen kulminierte, als Hanning zunächst im Alleingang den Ex-Profi Stefan Kretzschmar zum Frauen-Bundestrainer machen wollte, obwohl dieser keine Trainerlizenz besitzt. Als dann Hanning im Januar während der WM im ZDF-Sportstudio ein Interview gab, ohne das Präsidium darüber zu informieren, platzte Bauer endgültig der Kragen. Er machte den Streit in der „Sportbild“ öffentlich. Dies allerdings provozierte wiederum Kritik am Präsidenten. Bei einem Treffen am Rande des All-Star-Games in Nürnberg am 6. Februar vermittelte Liga-Präsident Uwe Schwenker zwar zwischen den Streithähnen, aber der Frust bei Bauer saß wohl zu tief. Er warf hin, zum Entsetzen insbesondere der Präsidenten der Landesverbände.

Diese würdigen den scheidenden Präsidenten als harten Arbeiter, Kommunikator und Moderator. „Bauer war ein astreiner Teamplayer“, sagt ein Landesverbandschef, der nicht genannt werden will. Kaum jemand an der DHB-Basis sieht im aktuellen Führungsgremium einen logischen Nachfolger. „Am besten ist wohl eine externe Lösung“, heißt es allerorten.

Stürzen die Landesverbände jetzt auch Bob Hanning?

Hanning, der vor Ideen nur so sprüht, hat vielen Landesfürsten mit seiner vorpreschenden Art ohnehin schon oft vor den Kopf gestoßen. Das Problem für den Berliner Manager ist: Die Landesverbände stellen die meisten Stimmen beim Bundestag und werden also spätestens 2017 wieder über ihn abstimmen.

Weil Bauer bei den Landesverbandschefs so beliebt war, könnte der Rücktritt daher nun auch Hanning in große Nöte stürzen. „Es ist nun denkbar, dass sich nun einige Landesverbände zusammentun und Hanning, weil er diesen Rücktritt provoziert hat, ebenfalls zum Rücktritt auffordern“, vermutet ein einflussreicher Funktionär.

Ligapräsident Schwenker, der qua Amt auch im DHB-Präsidium sitzt, hat alle Beteiligten dazu aufgefordert, nach vorne zu schauen und konstruktiv weiterzuarbeiten. Was Hanning zu all dem sagt, wie er sich die Zukunft des DHB vorstellt, ist unklar. Der Füchse-Manager weilt im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber vor einigen Tagen hat er wissen lassen, dass er sich im April intensiv den Dingen im DHB widmen wolle. Hanning schien eine Ahnung zu haben. Sehr wahrscheinlich, dass auch ihm nun turbulente Wochen bevorstehen.

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