Sport : Weitsprung: Die eigene Marke ist bestens positioniert

Ernst Podeswa

Seine sportliche Leidenschaft gehört dem Weitsprung. Am Freitagabend ist Kofi Amoah Prah in Erfurt unterm Dach so weit wie noch nie geflogen: 8,13 m - Jahresweltbestleistung. Dabei hatte der Olympiafünfte nicht mal optimal passende Spikes an den Füßen. Dennoch bestätigt die Weite seine gute Ausgangsposition, um auch anderweitig in neue Regionen vorzudringen: in der Vermarktung seiner Person und Leistungen.

Kürzlich hatte der 26-Jährige von der LG Nike Berlin auf der Grünen Woche Premiere mit einem PR-Auftritt für einen Sponsor. Zusammen mit Kindern bereitete er ein vegetarisches Menü vor: Spaghetti mit Sojafleisch. "Es hat Spaß gemacht und gut geschmeckt." Demeter, ein Verband für biologischen Anbau, hatteihn für den Werbe-Termin eingekauft und war zufrieden. "Auch wenn ich kein ausgemachter Ökofreak bin - ich habe zugesagt, weil die Sache zu mir passt." Prah zählt Essen zu den angenehmen Dingen des Lebens, für "die man sich Zeit lassen sollte und ruhig ein wenig Geld ausgeben darf". Vermittelt hatte diesen Kontakt Martin Seeber, Geschäftsführer der Top Sportmarketing Berlin GmbH. Die entstand am Berliner Olympiastützpunkt (OSP), um Sportlern bei der Vermarktung behilflich zu sein, die für Spitzen-Vermarkter wie Kärcher (Stuttgart) oder Köster (Hamburg) nicht lukrativ genug sind. Top Sportmarketing wird vom OSP, vom Landessportbund (LSB) und Seeber, hauptberuflich OSP-Verwaltungsleiter, getragen. Prah ist der erste Klient: "Das, was mir Herr Seeber anbot und erklärte, hat mich überzeugt. Ich kenne ihn vom OSP und vertraue ihm. Das gab den Ausschlag."

Seeber ist zuständig für Vermarktung und PR-Auftritte. Prahs Sport-Management liegt in den Händen des Leipzigers Helmut Ebert. Bisher war der beste deutsche Weitspringer vom OSP, LSB und seinem Verein LAC Halensee gefördert worden. Im Olympiajahr 2000 kam ein einjähriger Ausrüstervertrag mit adidas hinzu. Sowie ein privater Mäzen namens Friedhelm Weidtmann, ein Unternehmer aus der Nähe von Dortmund. "Wir haben uns auf Madagaskar bei der Jahreswende ins Jahr 2000 hinein kennengelernt. Er war so angetan von meinem Ziel in Sydney, dass er mich spontan unterstützt hat." Den zweijährigen ("sehr guten") Ausrüstervertrag mit Nike hat der gebürtige Ghanaer übrigens nach Tipps von Kollegen (beispielsweise Charles Friedek) selbst ausgehandelt.

Es hänge von der Disziplin ab und vom Typ, ob Sponsoren auf einen aufmerksam würden, glaubt er. Die Leichtathletik sei keine Randsportart, das würden die Einschaltquoten und das Ergebnis der Sportlerwahl (Sieger Drechsler und Schumann) beweisen. Boxen und Formel 1 hätten jedoch "einen Riesensprung in der Werbung und Vermarktung gemacht", während "die Leichtathletik diese Welle nicht erwischt" habe. Deshalb hätten es Leichtathleten in Deutschland schwer bei Sponsoren. Ihm sei klar, "dass man von Werbepartnern relativ schnell fallen gelassen wird". Das ist aber gegenwärtig für die Marke Prah kein Thema. Die ist derzeit am Markt bestens positioniert, mit deutlichem Trend nach oben: Spätestens bei der EM 2002 in München will er auf einen Medaillenrang springen.

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