Weltmeister-Elf von 1990 : Schriftsteller und Nationaltrainer

Vor 17 Jahren stand Deutschland zum letzten Mal an Spitze der Fußball-Welt. Von Bodo Illgner bis Lothar Matthäus: Was aus den Weltmeistern von 1990 geworden ist.

Mathias Klappenbach,Claus Vetter
Weltmeister von 1990
Die Weltmeister-Elf von 1990.Foto: dpa

17 Jahre ist es her, dass Deutschland mit einem 1:0-Sieg über Argentinien in Rom Fußball-Weltmeister wurde. Sieben der Helden erwarben 1999 bei einem Sonderlehrgang für verdiente Nationalspieler in nur drei Monaten die A-Trainerlizenz (Brehme, Buchwald, Klinsmann, Köpke, Kohler, Littbarski, Reuter). Gerade waren Buchwald (neuer Trainer in Aachen) und Matthäus (entlassen in Salzburg) in den Schlagzeilen. Was machen die Weltmeister von 1990?

Bodo Illgner: 2002 beendete er seine Spielerkarriere, bei Real Madrid. Er lebt bei Alicante, kürzlich sagte Illgner, er wolle nach Florida auswandern. Vor drei Jahren veröffentlichte er mit Ehefrau Bianca „Alles – ein fiktiver Tatsachenroman“. Das bislang einzige Werk dieses Literaturgenres erzählt die Geschichte eines Fußballers und dessen Gattin, die auch seine Managerin ist.

Klaus Augenthaler: Ein Jahr nach dem WM-Triumph hörte Augenthaler auf zu spielen. Bayern (Kotrainer), Graz, Nürnberg, Leverkusen und Wolfsburg waren seitdem seine Trainerstationen. In Wolfsburg gelang ihm erst im Mai einmaliges: Augenthaler interviewte sich auf einer Pressekonferenz selbst. Trotzdem wurde er ein Spiel später entlassen.

Guido Buchwald: 1999 trat der Mann, der Diego Maradona im WM-Endspiel 1990 keinen Raum ließ, letztmals gegen den Ball, bei Zweitligist Karlsruhe. Dort wurde er Sportdirektor, bevor er als Meistertrainer der Urawa Red Diamonds 2006 in Japan zum Trainer des Jahres gewählt wurde. Trotzdem kam Buchwald zurück, um Alemannia Aachen zu betreuen.

Jürgen Kohler: Vor fünf Jahren wurde Kohler Trainer der U21-Nationalmannschaft. Das war er nicht lange, Kohler wurde Sportdirektor in Leverkusen, ein Jahr lang. Von Dezember 2005 bis April 2006 war er Trainer des MSV Duisburg.

Thomas Berthold:
Nach seiner Karriere war der Hesse mit dem losen Mundwerk nur einmal noch direkt im Fußball beschäftigt – von 2003 bis 2005 als Manager von Dritt- und Viertligist Fortuna Düsseldorf. Nebenbei verdingte er sich als Komoderator hanebüchener Fußballshows auf dem Gewinnsender „9 Live“. In der 73. Spielminute im WM-Finale wurde Berthold ausgewechselt, für ihn kam Stefan Reuter. 2004 beendete der die Karriere. Bis Januar 2005 arbeitete er als Assistent der Unternehmensführung von Borussia Dortmund, seit Januar 2006 ist Reuter Manager bei 1860 München.

Thomas Häßler: Er spielte noch bis 2005, zuletzt in Salzburg. Seit 2006 ist der begnadete Techniker Techniktrainer für die Jugend des 1. FC Köln, seit 2007 zudem Assistent von Berti Vogts beim Nationalteam Nigerias. Häßler ist an einem Musiklabel beteiligt. Stilrichtungen: Hard Rock und so genannter Melody-Rock.

Lothar Matthäus: Der 90er-Kapitän gilt im eigenen Land als Trainer wenig. Beim 1. FC Nürnberg protestierten die Fans gegen seine geplante Verpflichtung. Dabei hatte er als Nationalcoach von Ungarn sogar mal Deutschland 2:0 geschlagen. Ansonsten hatte er weniger Glück – ob nun in Brasilien oder in Salzburg, wo er jüngst entlassen wurde.

Andreas Brehme: Der Siegtorschütze von Rom zog weder als Teammanager in Kaiserslautern, Trainer in Unterhaching oder Kotrainer beim VfB Stuttgart das große Los. Überall wurde der rhetorisch unbegabte Brehme geschasst, angeblich will Giovanni Trapattoni ihn nun nach Salzburg holen. Beide arbeiteten schon in Stuttgart zusammen.

Pierre Littbarski: Seine Trainerlaufbahn begann mit zwei Meistertiteln in Japan und führte ihn später als Kotrainer nach Leverkusen. Dann kam Duisburg, danach die Meisterschaft mit dem FC Sydney. Nun coacht er Avispa Fukuoka in Japan. Bei der WM 2006 war er salopp berlinernder Kokommentator bei RTL.

Rudi Völler: Sportdirektor bei Bayer Leverkusen war und ist er, zwischendurch arbeitete er als Teamchef, kurz vom AS Rom und vor allem von der Nationalelf: Unvergessen seine „Käse, Scheißdreck, Mist“-Rede 2003 nach der Kritik der Medien. Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2004 trat er zurück. Nächster Bundestrainer wurde 2004 Jürgen Klinsmann. Nach dem Sommermärchen 2006 überließ der Joachim Löw seinen Job und widmet sich wieder in den USA seiner Sportconsulting-Agentur. Alle Versuche, ihn aus Kalifornien herauszulocken, scheiterten bisher. Klinsmann arbeitet nun als Kommentator beim Bezahlsender Arena.

Noch im Fußball aktive Ersatzspieler von 1990: Andreas Köpke ist Torwarttrainer beim Nationalteam. Andreas Möller wird Trainer beim Viertligisten Viktoria Aschaffenburg. Karlheinz Riedle leitet sein Hotel im Allgäu mit Fußballschule und war zuletzt Berater bei Grasshopper Zürich. Raimond Aumann ist Fanbeauftragter beim FC Bayern. Olaf Thon ist Mitglied im Aufsichtsrat von Schalke 04.

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