Sport : Wenn Aussitzen aussichtslos wird

Deutschlands höchster Fußballfunktionär hatte wohl gehofft, dass sich die Angelegenheit von selbst erledigt. Für die Ausstellung "Tatort Stadion, Rassismus und Diskriminierung im Fußball" sind peinliche Sprüche Gerhard Mayer-Vorfelders zusammengetragen worden. Der Deutsche Fußball-Bund sah seinen Chef verunglimpft und strich die Förderung der Ausstellung. Zu einer persönlichen Stellungnahme ließ sich Gerhard Mayer-Vorfelder nicht herab. Wochenlang.

In einer für Fußballer ungewöhnlich offenen Art forderte dann Michael Preetz den DFB-Präsidenten im Tagesspiegel auf, sich endlich zu erklären. Gerade Preetz konnte das verlangen, denn er war soeben als Schirmherr der Ausstellung zurückgetreten, da ihm der Rassismus-Vorwurf gegen Mayer-Vorfelder doch ein wenig übertrieben erschien. In dieser Woche hat dann "Die Zeit" nachgelegt und die "tumben Sprüche" des DFB-Präsidenten gegeißelt - auf ihrer Titelseite. Da wurde der Druck wohl zu groß. Aussitzen wurde aussichtslos. Mayer-Vorfelder stand auf - und redete drumherum. "Wer mich kennt, weiß ..." usw usf. Ein laues Dementi ("aus dem Zusammenhang gerissen und zum Teil auch nicht authentisch"), aber keine inhaltliche Auseinandersetzung und schon gar keine Entschuldigung.

Das ist eine dumme Strategie, denn sie erinnert fatal an den Umgang des DFB mit einem Thema, das viel wichtiger ist als ein paar dumme Sprüche: Die braune Vergangenheit des Verbands, der sich den Nazis einst willig in die Arme warf. Auch bei dem Thema hatte der DFB gehofft, dass es sich irgendwann von selbst erledigt, bevor er auf Druck von Medien und Wissenschaftlern mit der Aufarbeitung begann - nach mehr als 50 Jahren.

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