Sport : Wenn das Herz rennt

Alba Berlin sorgt sich um den Gesundheitszustand des Basketballers Vladimir Petrovic

Benedikt Voigt

Berlin. Zehn Minuten nach dem Europaligaspiel in Vitoria meldete sich der Basketballprofi Vladimir Petrovic in der Umkleidekabine beim Physiotherapeuten. „Ich habe mich schlecht gefühlt“, erzählt der Flügelspieler von Alba Berlin, „ich habe gespürt, dass mein Herz zu heftig schlägt.“ Ramon Garcia zählte daraufhin die Schläge pro Minute. Er kam auf 120. „Ein Wert, der bei einem Hochleistungssportler ohne Belastung nicht vorkommen sollte“, sagt der Physiotherapeut. Normal ist für einen trainierten Sportler ein Wert von 40 bis 45 Schlägen im Ruhezustand. Als sich auch eine Stunde später nichts geändert hatte, rief Garcia besorgt aus Spanien beim Vereinsarzt Gerd-Ulrich Schmidt an. Er solle ihn weiter beobachten, wies ihn dieser an. Auch in der Nacht schlug Petrovic’ Herz mit einer hohen Frequenz. Sofort nach seiner Rückkehr nach Berlin fuhr er deshalb mit Trainer Emir Mutapcic ins Gertruden-Krankenhaus. Das Wochenende verbrachte er dann auf der Intensivstation der Marzahner Unfallklinik.

„Mir geht es sehr gut“, sagt Vladimir Petrovic am Dienstag. Sein Herzschlag hat sich wieder normalisiert. Zwar darf er noch nicht trainieren und kann auch nicht im heutigen Europaligaspiel gegen Efes Istanbul in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr, live auf TV Berlin) spielen, in dem erstmals der wiedergenesene Mithat Demirel ein paar Minuten auftreten könnte. Trotzdem versteht er die Aufregung um seinen Gesundheitszustand nicht. „Was alles in den Zeitungen steht“, wundert sich Petrovic, „als ob ich ein Problem mit meinem Herzen hätte.“ Er führt die hohe Herzfrequenz auf einen grippalen Infekt zurück, den er in der vergangenen Woche hatte. „Ich war an diesem Tag einfach krank.“

Doch ganz so einfach scheint die Sache nicht zu sein. „Der Infekt war nicht die Ursache“, berichtet Garcia, „das hat man in Marzahn festgestellt.“ Um der Ursache näher zu kommen, wird Petrovic heute erneut im Unfallkrankenhaus untersucht. „Er sollte keinen Sport machen, bis geklärt ist, was der Grund dafür ist“, sagt Professor Walter Schaffartzik, der ihn in Marzahn untersuchte und Vater des Alba-Nachwuchsspielers Heiko Schaffartzik ist.

„Diese Art der Herzrhythmusstörung ist für einen austrainierten Leistungssportler ungewöhnlich“, sagt der Professor. Trotzdem glaubt Petrovic, bereits am kommenden Samstag in Quakenbrück spielen zu können. Beim Professor hört sich das anders an. „Das ist keine Sache von Tagen“, sagt Schaffartzik, „sondern eher eine, die von Woche zu Woche entschieden werden muss.“ Weil es gar nicht so einfach sei, ein Herz zu untersuchen. „Das Herz ist nicht so zugänglich“, sagt Schaffartzik, „manchmal findet man die Ursache gar nicht.“

Erst in der vergangenen Woche starb der ungarische Fußballspieler Miklos Feher von Benfica Lissabon auf dem Fußballplatz am plötzlichen Herztod. Ein Grund mehr, bei Petrovic besondere Vorsicht walten zu lassen. „Natürlich ist man dadurch sensibilisiert“, sagt Garcia, „aber selbst, wenn das nicht passiert wäre, wären wir sehr vorsichtig.“ Es sei auf jeden Fall sehr gut gewesen, dass Petrovic sich in der Umkleidekabine meldete.

Petrovic geht gelassen mit dem rätselhaften Vorfall der letzten Woche um. „Ich kenne Spieler, die das auch schon einmal hatten“, sagt der Serbe, „das kann schon einmal vorkommen.“ Auch er weiß von dem ungewöhnlichen Tod des ungarischen Fußballspielers, doch damit möchte er sich nicht näher beschäftigen. „Ich hoffe, dass es nicht so etwas Ähnliches ist, wie er es hatte.“ Er sieht keine Verbindung zu jenem Fall. Petrovic sagt: „Ich lebe noch.“

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