Sport : Wenn das Richtige falsch sein muss

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Armin Lehmann über die Kunst,

sich richtig aufzuregen

Der Sinn des Fußballs besteht auch darin, sich heftig aufzuregen. Über den schwachen Schiedsrichter, die bösen Treter vom Gegner oder über die Leistung des eigenen Teams. Meister im Aufregen ist natürlich der FC Bayern, und das hat seinen Sinn. Wer sich geschickt aufregt, zum richtigen Zeitpunkt und taktisch versiert verbal attackiert, erlangt schnell die Meinungshoheit über den Fußball und seine offenen Fragen. Andere denken dann: Kaiser Franz hat gesprochen oder Kalle Rummenigge, und wenn die sagen, dann … wird’s schon stimmen.

Nun trifft es sich, dass die jüngsten Vorschläge der Uefa für einen neuen Qualifikationsmodus für die WM 2006 und die EM 2008, nach denen die Nationalteams noch mehr Spiele haben sollen, in Deutschland auf hysterische Reaktionen gestoßen sind. „HandstreichVerfahren“ nennt es Dortmunds Manager Meier, und Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser fordert wild entschlossen eine Art Generalstreik der Klubs, die ihre Profis nicht mehr zur Nationalelf schicken sollen. Im Prinzip sind sich also alle einig, dass die Ideen der Uefa genauso unsinnig sind wie jene von Fifa-Präsident Blatter, den nationalen Ligen vorzuschreiben, nur mit 16 Teams zu spielen. Alle könnten sich jetzt so richtig schön aufregen, vereint im Widerstand. Aber da macht der FC Bayern nicht mit, verweigert die Solidarität. Dortmund und Leverkusen, sagt Bayern-Boss Rummenigge, hätten da einiges „nicht richtig verstanden“ und seien „falsch informiert“.

Nein, es macht den Bayern einfach keinen Spaß, sich mit anderen aufzuregen. Sie können das viel besser allein.

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