Sport : Wenn der Rotwein fliegt

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Benedikt Voigt über

neue Unsitten beim Eishockey

Eigentlich sind die Besucher der VIPRäume in Sportstadien pflegeleichte Zeitgenossen. Das sportliche Ereignis goutieren sie zwischen zwei Gängen zum Buffet, in der Pause diskutieren sie in Zimmerlautstärke über das Geschehen auf dem Spielfeld und an der Börse, und wenn das Spiel vorbei ist, verlassen sie nach einer erneuten Verköstigung satt und zufrieden das Stadion. Wie aber ist zu erklären, dass sich beim Eishockey-Halbfinale in Mannheim aus dem Fenster des VIP-Raums Rotwein über einen Linienrichter ergoss? Zumal gerade diese Besucher wissen sollten, dass Weinflecken ganz schlecht rauszuwaschen sind. Und was dachte sich Mannheims Vereinspräsident Dietmar Hopp, als er in der ersten Drittelpause in die Kabine des Schiedsrichters eindrang und wüste Drohungen gegen ihn ausstieß? Man muss dazu sagen, dass Dietmar Hopp Aufsichtsratsvorsitzender des Softwareunternehmens SAP ist – wenn er nicht gerade Schiedsrichter verbal angreift.

Diese Ausfälle besonders wichtiger Persönlichkeiten muten seltsam an. Vielleicht liegt es an der Sportart, die zu einfachen Konfliktlösungen neigt. Auf der Eisfläche werden Probleme mit dem Gegenspieler durchaus mit den Fäusten diskutiert, Stockschläge und Stockstiche gehören zum Repertoire eines Eishockeyspielers. Gelegentlich schlägt ein Spieler auch hinter der Bande über die Strenge. Wie Ivan Droppa von den Nürnberg Ice Tigers, der die Saisonabschlussfeier seiner Mannschaft mit einem Faustschlag gegen einen missliebigen Journalisten krönte. Vielleicht ist es nur diese Tradition der Konfliktbewältigung, die am Sonntag in den Mannheimer VIP-Raum schwappte.

Man sollte sich aber auch die besonders wichtigen Persönlichkeiten ansehen, die sich beim Eishockey tummeln. Der exzentrische Fußballprofi Mario Basler beehrt regelmäßig die Adler Mannheim, Finanzminister Hans Eichel besucht die Kassel Huskies, und bei den Hamburg Freezers sitzt in dieser Spielzeit Hamburgs umstrittener Innenminister Ronald Schill auf der Tribüne. Vielleicht ist es so: Jede Sportart bekommt die VIPs, die sie verdient.

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