Sport : Wenn die Lebensversicherung fehlt

Der HSV bangt vor dem Spitzenspiel gegen Schalke um Mladen Petric

Berlin - Bastian Reinhardt setzte ein breites Grinsen auf. Verdient, aber letztlich auch glücklich hatte seine Mannschaft gerade bei Energie Cottbus mit 2:1 gewonnen. Und Reinhardt, dem Abwehrspieler des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, gingen noch einmal die wichtigsten Szenen der Partie durch den Kopf. Irgendwann kamen seine Erinnerungen in der 90. Minute an. „Wir haben ja noch unsere Lebensversicherung“, sagte Bastian Reinhardt da, „den Mladen Petric.“ Petric hatte in letzter Minute das 2:1-Siegtor geköpft, sieben der letzten acht Pflichtspieltore des HSV gehen auf das Konto des Kroaten.

Mladen Petric, die Lebensversicherung des HSV, macht den Hamburgern viel Freude – und aktuell auch etwas Kummer. Vom Ausflug zur kroatischen Nationalmannschaft für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen die Ukraine (0:0) und Andorra (4:0) kehrte der 27-Jährige am Donnerstag mit einem Magen-Darm- Virus nach Hamburg zurück. Statt zu trainieren, verordneten ihm die Ärzte erst einmal Bettruhe. Sein Einsatz heute im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den FC Schalke 04 ist fraglich.

Petrics Fehlen würde den HSV erheblich schwächen. Dass auch Nigel de Jong (Innenbandanriss) und Marcell Jansen (Muskelfaserriss) definitiv ausfallen und Thimothee Atouba und Jerome Boateng angeschlagen sind, wäre wohl noch zu verschmerzen. Auch HSV-Trainer Martin Jol erspart sich das große Jammern. „Bei uns warten doch viele Spieler auf ihre Chance. Jetzt zeigt sich, wie gut es ist, dass wir einen so großen Kader haben“, sagt Jol. Sollte Petric ausfallen, wäre im Angriff sein Landsmann Ivica Olic erste Wahl. Für die Defensive bieten sich Collin Benjamin und Dennis Aogo an, im Mittelfeld wäre der so leichtfüßig und flink daherkommende Jonathan Pitroipa eine Alternative.

Was den Hamburgern trotz der Personalsorgen Mut machen könnte: Schalke hat in dieser Saison auswärts noch nicht gewonnen. In drei Spielen in der Fremde sprangen lediglich zwei Punkte heraus. Andererseits hat der HSV gegen Schalke seine letzten beiden Heimspiele verloren: erst 1:2, zuletzt 0:1. Beim 0:1 Ende April war Kevin Kuranyi bereits in der zweiten Minute der Torschütze. Auf Kuranyi wird in Hamburg ein besonderes Augenmerk gerichtet sein. Es ist schließlich sein erstes Spiel nach seiner Flucht von der Nationalmannschaft. „Er ist ein sehr emotionaler Mensch“, sagt Schalkes Trainer Fred Rutten. „Aber auf das Spiel gegen den HSV hat das alles keine Auswirkungen: Das eine ist die Nationalmannschaft, das andere der Verein. Wichtig ist für Kevin, dass die Geschichte jetzt beendet ist.“

Für HSV-Torjäger Mladen Petric spielt es letztlich keine Rolle, wer auf der Gegenseite stürmt. Er hält den HSV – wer immer auch aufläuft – für stark genug, Schalke zu bezwingen. Petric stellt fest: „Wir haben richtig viel Potenzial, sind auch in der Breite gut besetzt und haben eine Superstimmung im Team.“ Wenn dazu noch die von Bastian Reinhardt erwähnte Lebensversicherung namens Petric käme, würde das dem HSV gewiss auch nicht zum Nachteil gereichen.

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