Sport : Wenn die Luft dünn wird

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die für Athleten in ihrer Sportart besondere Bedeutung haben. Heute: die Bronchien beim Eisschnelllauf.

Eisschnellläufer geraten nicht nur außer Puste, manchmal bekommen sie gar keine Luft mehr. Denn die Luftfeuchtigkeit in den Eishallen ist in den vergangenen Jahren immer weiter reduziert worden. Die Belastungen für die Athleten sind dadurch gestiegen. Manche Läufer reagieren sogar allergisch auf die Kälte, asthmatische Reaktionen sind die Folge. Die Bronchien ziehen sich zu, die ohnehin dünne Luft wird knapp.

Die Hallenbetreiber haben ein Interesse an trockener, kalter Luft. Weniger Feuchtigkeit bedeutet schließlich härteres Eis, also bessere Zeiten der Athleten, neue Rekorde. Auch die Hallenbetreiber stehen im Wettbewerb zueinander. Die Nachteile bekommen die Sportler zu spüren. „Durch die extrem trockene Luft wirkt die Kälte noch mehr auf die Atemwege“, sagt Dr. Volker Smasal, der leitende Verbandsarzt der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Die Luft reizt die Schleimhäute, die im Winter ohnehin besonders empfindlich sind. Viele Läufer klagen über Erkältungen und Bronchitis. Durch die Nase kann die Luft noch akklimatisiert werden, bei hohen Belastungen können die Sportler aber nur noch durch den Mund atmen.

Mittlerweile müssen viele Athleten daher kortisonhaltige Asthmasprays verwenden. „Auf lange Sich sind die nicht gerade gesundheitsförderlich“, sagt Smasal. Er hat sogar schon einige Läufer beobachtet, die sich im Training mit Masken gegen die Kälte und die geringe Luftfeuchtigkeit zu schützen versuchen. „Aber dagegen sträuben sich die meisten Sportler natürlich erst einmal“, sagt Smasal. Ein weiterer Schutz ist einfach das Training. Eisschnellläufer trainieren ihre Ausdauer etwa durch Radfahren unter angenehmen klimatischen Bedingungen.

Vor zwei Jahren wurde ein neuer Tiefpunkt erreicht. Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City war die Luftfeuchtigkeit in der Halle deutlich geringer als außerhalb. „Wir haben mehrfach darauf hingewiesen und dagegen gewettert“, sagt Smasal. Er hofft, dass die Betreiber der olympischen Eishalle in Turin mehr Rücksicht auf die Gesundheit der Athleten nehmen. teu

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