Sport : Wenn elf Meter fehlen

Wann die Schiedsrichter falsch gepfiffen haben: die Fehlentscheidungen der EM-Vorrunde

Claus Vetter

Die Vorrunde ist vorbei. Natürlich waren die Schiedsrichter wieder nicht unfehlbar. Natürlich gab es nicht gegebene Elfmeter und offizielle Tore, die eigentlich keine waren. Im Folgenden eine (nicht ganz ernst gemeinte) Auflistung von Spielen, die anders hätten ausgehen können, wenn die Schiedsrichter alles gesehen hätten. Das Interessante: Die Fehlentscheidung hatten keinen das Turnier in Frage stellenden Einfluss, maximal über das Spiel Tschechien gegen Türkei ließe sich diskutieren. Aber schließlich machen falsche Pfiffe ja auch die Faszination am Ballsport aus oder, um mit Schalkes früherem Manager Rudi Assauer zu sprechen: „Fußball lebt von Fehlentscheidungen.“ In diesem Sinne (vorn die wahren, in Klammern die gewerteten Ergebnisse):

Gruppe A:

Portugal - Türkei 3:0 ( statt 2:0)

17 Minuten sind vorbei, die Portugiesen bejubeln nach einer Ecke das 1:0. Zu früh gefreut. Der deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel entscheidet bei Pepes Kopfballtreffer auf Abseits. Fehlentscheidung, der Verteidiger von Real Madrid hatte sich auf gleicher Höhe befunden. Pepe ärgerte sich, was ihm wohl Motivationshilfe war. Er traf in der 61. Minute noch einmal – diesmal lag Fandel richtig und gab das Tor. Die Uefa findet Fandel übrigens besser, als ihn wohl der Portugiese Pepe findet: Der Deutsche darf das Viertelfinale Spanien gegen Italien leiten.

Schweiz - Portugal 1:2 (statt 2:0)

Gut, dass die Portugiesen schon als Gruppenerster feststanden. Denn in diesem Spiel wurden sie ordentlich verpfiffen: Nani wurde schon beim ersten Angriff von Stephan Lichtsteiner im Schweizer Strafraum umgeholzt, Schiedsrichter Konrad Plautz sah es nicht. Nachdem er den Portugiesen den Elfmeter verweigert hatte, gab der Österreicher ein Tor von Helder Postiga nach 35 Minuten nicht. Plautz hatte eine Abseitsstellung gesehen, die keine war. Zu guter Letzt verhängte der Österreicher noch einen strittigen Elfmeter für die Schweiz. Kaum vorstellbar, wie sich die Portugiesen aufgeregt hätten, wenn das Spiel für sie noch eine Bedeutung gehabt hätte.

Tschechien - Türkei 3:3 (statt 2:3)

Was wäre gewesen, wenn Jan Polak in der 71. Spielminute den unstrittig fälligen Elfmeter bekommen hätte, nachdem ihn Emre Asik mit dem Fuß am Kopf getroffen hatte? Wahrscheinlich wäre das 3:0 für Tschechien gefallen...

Gruppe B:

Polen - Österreich 0:2 (statt 1:1)

Und England spielte eben doch mit bei dieser EM. Zumindest in Gestalt von Howard Webb. Der gab ein klares Abseitstor des polnischen Brasilianers Guerreiro. Das war bitter für einen Menschen gleichen Namens, der in England sogar Morddrohungen erhielt, und es war bitter für die österreichische Fußballseele. Zumal Webb noch nach einem Foul von Jacek Bak an Andreas Ivanschitz in der 49. Spielminute hätte Elfmeter pfeifen können. Wahrscheinlich hatte Webb etwas gegen einen drohenden österreichischen Fußballboom.

Gruppe C:

Italien - Rumänien 2:1 (statt 1:1)

Vielleicht hat diese Fehlentscheidung die Italiener erst stark gemacht und zu ihrem Sieg gegen Frankreich geführt: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit köpfte Luca Toni nach Gianluca Zambrottas präziser Flanke ein. Tom Henning Övrebö entschied zu Unrecht auf Abseits.

Gruppe D:

Schweden - Spanien 1:3 (statt 1:2)

Kurz vor der Halbzeit stieß der Schwede Johan Elmander rüde von hinten David Silva um. Einen Elfmeter gab es dafür nicht. Zu Unrecht. Am Ende war es egal: Schweden schied aus, Spanien kam trotzdem weiter.

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