Sport : Wenn Regentropfen entscheiden

Welche Bedeutung die Reifen in China hatten

Karin Sturm

Schanghai - Wie hatte der frühere Formel-1-Fahrer und heutige RTL-Kommentator Christian Danner doch so schön festgestellt: „Es gibt eigentlich keine falschen Reifen. Es gibt nur falsche Bedingungen für die richtigen Reifen.“ Für die Reifen von Bridgestone waren die Bedingungen im Qualifying noch falsch gewesen, doch in der längsten und entscheidenden Phase des Rennens von Schanghai waren sie auf einmal wieder richtig. Das brachte Michael Schumacher zusammen mit seiner eigenen Fahrleistung den Sieg. Williams-Testfahrer Alexander Wurz, anerkannter Reifenexperte in der Formel 1, hatte die Problematik schon vor dem Start im Detail erklären müssen – so oft, dass er scherzhaft sagte: „In Zukunft nehme ich Geld dafür.“

Die Problematik nämlich, dass es bei den sogenannten „Intermediates“, den Reifen für eher leichten Regen ohne Aquaplaninggefahr, bei den beiden Herstellern Bridgestone und Michelin „verschieden optimale Funktionsfenster“ gebe. Und das bedeute: Ein paar Regentropfen mehr oder weniger können am Ende das Rennen entscheiden. „Bei konstant leichtem Nieselregen wie gestern im Zeittraining, ist im Moment der Michelin-Reifen einfach besser – speziell auf Streckenoberflächen wie hier“, sagte Wurz. Michelin erzeuge mit seiner Konstruktion mehr Temperatur und erhalte so den Grip aufrecht.

Bei trocknenden Bedingungen ergebe sich ein anderes Bild. „Dann übersteigt die Temperatur bei Michelin viel früher ihren Maximalwert als bei Bridgestone“, erklärte Wurz. „Das war beispielsweise auch in Budapest so, wo Michael Schumacher in dieser Phase wesentlich schneller fahren konnte.“ Genau das passierte dann auch in Schanghai. Die nach einem heftigen Regenguss etwa eineinhalb Stunden vor dem Start anfangs noch komplett nasse Strecke trocknete nach den ersten 10, 15 Runden immer weiter ab – und die Bridgestone wurde immer besser.

Michelin müsse dann von der Tendenz her früher auf Trockenreifen wechseln, erklärte Wurz. „Das ist ein Risiko, wenn die Strecke insgesamt nicht schnell genug abtrocknet oder wenn man mal kurz beim Überrunden von der Ideallinie muss.“ Das passierte Fernando Alonso zwar nicht. Dafür beging er den Fehler, bei seinem ersten Boxenstopp die Vorderreifen zu wechseln und mit neuen, statt mit den gebrauchten Intermediates weiterzufahren. Eine Entscheidung, die beim Experten Wurz nur Kopfschütteln auslöste: „Wenn man unter so schwierigen Bedingungen unterschiedliche Reifen, alte und neue, am Auto hat, dann kann das nicht funktionieren. Sollte Renault für diesen Wechsel Sicherheitsgründe anführen, hätte ich kein Verständnis. Dann wäre ich wirklich von Renault enttäuscht.“

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