Sport : Wenn sich alte Feinde wiedersehen

Fans von Union und TeBe beharken sich in der Halle

Benjamin Weissinger

Berlin - „Entscheidend is’ auf’m Platz“, hat Stürmerlegende Adi Preißler einmal festgestellt. Das hätten die Fans von Tennis Borussia und dem 1. FC Union am Samstag beim 30. Berliner Hallenturnier der Regional- und Oberligavereine sicher nicht unterschrieben. Was sich auf dem Parkettboden der Sporthalle Charlottenburg zutrug, war für die beiden Fanblocks eher von untergeordnetem Interesse. Das Wiedersehen der beiden Klubs, deren Rivalität Anfang der Neunziger ihren Höhepunkt erreichte, stand für sie im Mittelpunkt. Der 2:0-Sieg der Borussen gegen Union gleich zu Beginn des Turniers bildete den Auftakt zu verbalen Auseinandersetzungen, die stundenlang anhielten.

Das schlechte Verhältnis der Köpenicker und Charlottenburger entstand kurz nach der Wende. Vorangegangen war ein Rechtsruck der Unioner Anhängerschaft in den Achtzigern. Als Zielscheibe bot sich Tennis Borussia an. TeBe beschäftigte in den Gründerjahren eine überdurchschnittliche Anzahl jüdischer Funktionäre und Spieler, bevor diese nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten den Verein verlassen mussten. Die rechtsradikale Unterwanderung Unions wird heute als Protest gegen die damalige Staatsmacht interpretiert. Ein steter Rückgang dieser Entwicklung nach der Wiedervereinigung scheint das zu bestätigen. Antisemitische Stereotypen blieben jedoch haften. In den Neunzigern wurde der Konflikt auf die Ebene des Kampfes eines armen Arbeitervereins gegen den reichen Bonzenklub transportiert. Insbesondere, als Union 1993 die Zweitligalizenz verwehrt blieb und Tennis Borussia nachrückte.

Die durchweg jungen Anhänger, die am Samstag für Stimmung sorgten, haben mit diesen Geschichten nicht mehr viel zu tun. Union und Tennis Borussia spielen schon lange in verschiedenen Ligen, am Hallenturnier nahm Union erstmals seit sieben Jahren wieder teil. Dennoch bemühten sich beide Parteien von Beginn an, die alte Rivalität wieder aufleben zu lassen. Schmähgesänge wie „West-Berliner Scheiße“ und „Lila-Weiß ist schwul“ machten die Runde. Die „Lila Party Army“ antwortete gemäß ihrer Philosophie mit spöttischem Applaus und einem „Wir lieben euch alle“. Sie sind dafür bekannt, die fatalistische und maskuline Fankultur zu parodieren. Als der Regionalligist nach der Vorrunde ausschied und sich auch ihre Anhänger leicht angefressen, aber umso eiserner aus der Halle verabschiedeten, schienen die Borussen, die wenig später den Turniersieg feiern konnten, fast ein bisschen enttäuscht. Auch alte Feindschaften wollen eben gepflegt werden.Benjamin Weissinger

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