Sport : Wenn Worte ins Abseits laufen

Der FC Barcelona und sein Trainer Frank Rijkaard geben in Manchester ein bemitleidenswertes Bild ab

Raphael Honigstein

Manchester - Fußballfans, die ein Spiel zu Hause auf dem Sofa verfolgen und dem Kommentator lauschen, kennen das Problem: Der Ton will manchmal nicht zum Bild passen. So war es auch am Dienstagabend im Old Trafford. Barcelonas Trainer Frank Rijkaard sprach da nach dem Aus seiner Elf nach dem 0:1 bei Manchester United trotzige Sätze, die so gar nicht zum zurückliegenden Spiel passen wollten. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und uns gegenseitig helfen“, sagte der Holländer, „Es gilt, die Saison mit Stolz und Anstand zu Ende zu spielen. Die Zeit der Analysen wird später kommen. Man darf sich jetzt nicht in einem Sumpf der Kritik verlieren.“

Er wolle auf keinen Fall sein Amt aufgeben, fügte Rijkaard noch hinzu, als ihn ein spanischer Reporter unverblümt zum Rücktritt aufforderte. Doch wer Rijkaard bei diesem Appell an das katalanische Durchhaltevermögen zustimmte, musste wohl erkennen, dass der 45-Jährige sich selbst kaum zu glauben schien. Ganz leise, mit hängenden Schultern und wässrigen Augen sprach er seine Worte. In Barcelona sagt man ihm ja seit zwei Jahren Amtsmüdigkeit nach; das Team schleppt sich seit dem Champions-League-Gewinn 2006, wie der Trainer, völlig ohne Elan durch die Primera Division. Nach der Niederlage in Manchester wirkte Rijkaard schon reichlich frustriert. „Barcelona ist ein großer Verein mit fähigen Leuten, die am Ende der Saison Entscheidungen treffen müssen, falls es notwendig ist“, flüsterte er.

Es ist keine Schande, 0:1 gegen Manchester United zu verlieren, die im bisherigen Verlauf des Wettbewerbs am konstantesten spielende Mannschaft der Champions League. Kein Torhüter der Welt – und schon gar nicht der eher klein gewachsene Barca-Schlussmann Víctor Valdés – hätte Paul Scholes’ Gewaltschuss aus 25 Metern gehalten, der das nervöse Duell schon nach einer Viertelstunde entschied. Wie im torlosen Hinspiel hatten die Katalanen mehr Ballbesitz gehabt und sich, gemessen am optischen Eindruck, ganz achtbar aus der Affäre gezogen.

„Wir hatten mehr vom Spiel“, sagte Rijkaard, „die Spielregeln besagen aber leider, dass die Mannschaft weiter kommt, die das Tor schießt.“ Vielleicht sollte das witzig gemeint sein.

Doch Barcelonas Fans fanden es überhaupt nicht lustig, dass ihr Team 180 Minuten lang konsequent am eigentlichen Kern der Sache vorbei spielte. Lionel Messi deutete in ein, zwei Tempodribblings seine Klasse an, der Rest der Kollegen aber passte gegen die tief verteidigenden und hervorragend konternden Hausherren hin und her. Spätestens nach der zehnten Station blieben sie irgendwo hängen.

Rijkaard tauschte später seine offensiven Spieler durch, hielt dabei aber stur an dem kleinteiligen System ohne echte Präsenz im Sturm fest. Erst zwei Minuten vor dem Anpfiff bot er mit Eidur Gudjohnsen eine etwas robustere Anspielstation auf – zu spät. Edwin van der Sars Tor kam nie ernsthaft in Gefahr.

„Barcelona ist immer Barcelona“, sagte später Uniteds Trainer Alex Ferguson zufrieden, „wir haben ihnen einfach die Räume weggenommen.“ Nach Scholes’ Treffer ließen die Engländer den Gegner im Stile einer kontinentalen Spitzenmannschaft kommen und setzten immer wieder intelligente Gegenangriffe. Scholes, der 1999 das Endspiel gesperrt verpasste, wird in Moskau „der erste Name auf dem Spielberichtsbogen sein“, versprach Alex Ferguson. Raphael Honigstein

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