Sport : Wenn zwei sich verfehlen Warum der Berliner Jan Jagla nicht für Alba spielt

Ingo Schmidt-Tychsen

In den vergangenen zwei Wochen trainierte ein neuer Spieler bei Alba Berlin mit. Eine Verstärkung für die laufende Saison? Nein. Jan Jagla trainiert nur bei Alba, um sich fit zu halten. In näherer Zukunft wir der 23-Jährige nicht in Berlin spielen. Jagla verließ den Basketball-Bundesligisten vor gut drei Jahren. Seitdem versuchte Alba den gebürtigen Berliner zu einer Rückkehr in seine Heimatstadt zu bewegen. Jagla wollte nicht. Nun ist er zurück – und Alba will nicht mehr. „Im vergangenen Jahr hätten wir ihn noch gern verpflichtet, aber in diesem Jahr sind wir auf seiner Position schon sehr gut besetzt“, sagt Vizepräsident Marco Baldi. Und Albas Trainer Emir Mutapcic findet, dass es „schon ein bisschen schade ist, wie sich die Dinge entwickelt haben“.

Unter Mutapcic hatte die Karriere des 2,11 Meter großen Centers begonnen. Beim damaligen Zweitligisten TuS Lichterfelde, dem Ableger der Profimannschaft von Alba Berlin. Als Mutapcic im Jahr 2000 zum Trainer von Alba befördert wurde, nahm er Jagla gleich mit. Doch einen längerfristigen Vertrag bei Alba unterschreiben, das wollte der nicht. „Ich hätte mich für drei oder vier Jahre binden müssen, das war mir zu viel“, sagt Jagla. Er ging in die USA, zur Universität „Penn State“. Dort spielte er drei Jahre und studierte nebenbei. Die Sommer verbrachte er in Berlin, und Alba versuchte es jedes Jahr aufs Neue, ihn zum Abbruch des Studiums zu überreden.

In diesem Sommer verließ Jagla die Universität dann tatsächlich. „Mir hat es dort einfach nicht mehr gefallen, unser Team war nicht erfolgreich genug“, sagt Jagla. Entgegen dem Rat vieler seiner Freunde wechselte Jagla vor dieser Saison in die griechische Liga, zum Aufsteiger Panellinios Athen. In der griechischen Liga lastet sehr viel Druck auf den Spielern, die Fans sind extrem fanatisch. Seit zwei Wochen weiß Jagla das auch: Sein Vertrag mit Panellinios wurde aufgelöst. „Jagla hat es nicht geschafft, sich an die griechische Realität anzupassen und den Anforderungen der Mannschaft gerecht zu werden“, ließ der Athener Klub mitteilen. „Der Trainer hat griechische Spieler bevorzugt, das war ungerecht“, sagt Jagla. „Ich bin froh, dort weg zu sein.“ Nun wird der 21-malige Nationalspieler wahrscheinlich zu den Artland Dragons Quakenbrück in die Bundesliga wechseln. Jagla ist also dort angekommen, wo er vor drei Jahren schon hätte sein können.

Alba wurde oft dafür kritisiert, jungen deutschen Spielern keine Chance zu geben. Jan Jagla ist für Albas Trainer Emir Mutapcic ein gutes Gegenbeispiel. „Es ist nicht die Frage, was deutsche Klubs für deutsche Spieler tun“, sagt er. „Die Frage ist: Was tun deutsche Spieler für deutsche Klubs? Nichts.“

Nun, das ist im Fall von Jagla nicht ganz richtig. Er kann den Berlinern zumindest etwas über ihren heutigen Uleb-Cup-Gegner PAOK Saloniki (19.30 Uhr/MEZ, keine Fernsehübertragung) erzählen. Jagla hat in dieser Saison schon gegen Saloniki gespielt. Sein Tipp für Alba: Auf die Distanzschützen achten, „die sind unheimlich gut“. Mutapcic wird es vor der Abreise zur Kenntnis genommen haben.

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