Sport : Wer hat Lust auf Hannover 96?

Bobic wird als Kaenzigs Nachfolger gehandelt

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Bobic wird als Kaenzigs Nachfolger gehandelt Berlin - Es kam so, wie es nicht selten kommt bei Hannover 96. Erst gefeiert, dann entlassen: Am Mittwoch trennte sich der Fußball-Bundesligist von Ilja Kaenzig, der bis 2008 laufende Vertrag des Geschäftsführers wurde aufgelöst. „Es gab verschiedene Beurteilungen über die sportliche Ausrichtung“, ließ Klubchef Martin Kind verlauten. Angeblich soll Kaenzig 400 000 Euro Abfindung erhalten. Vor zwei Jahren noch war der inzwischen 33 Jahre alte Schweizer als hoffnungsvolles Managertalent nach Hannover geholt und so präsentiert worden: Kaenzig hatte doch bei Reiner Calmund und Bayer Leverkusen sein Handwerk gelernt – oder auch nicht: In Hannover lief in dieser Saison noch nicht viel zusammen, nach zwölf Spieltagen liegt der Klub nur auf Tabellenrang 16.

Trainer Peter Neururer musste nach drei Niederlagen an den ersten drei Spieltagen gehen. Bereits da griff der 2005 nach einem Jahr Pause mit großem Getöse zum Klub zurückgekehrte Hörgerätehersteller Martin Kind in den Kompetenzbereich des Managers Kaenzig ein, den er dann auf den Posten des Geschäftsführers schob: Neururers Nachfolger Dieter Hecking wurde ohne Absprache mit Kaenzig nach Hannover geholt. Nach Neururer, Geschäftsführer Karl- Heinz Vehling, Klubchef Götz von Fromberg und Mitarbeitern der Geschäftsstelle ist Kaenzig nun der nächste, der Hannover 96 binnen eines guten Jahres verlassen muss. Allerdings war der Abschied des Schweizers nicht viel mehr als eine Formalie, seit Monaten hatte Kaenzig im Klub nichts mehr zu sagen. Kritiker warfen ihm eine gescheiterte Transferpolitik vor: Von den vor der Saison von Kaenzig verpflichteten Profis wurde nur der Ungar Szabolcs Huszti Stammspieler.

Als Nachfolger von Kaenzig wird nun Fredi Bobic gehandelt, der noch vakante Posten soll künftig den Titel „Sportdirektor“ tragen. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Bobic, in der Saison 2002/2003 in Hannover aktiv, beendete seine Bundesligakarriere vor über einem Jahr bei Hertha BSC. Bobic ist Gastkolumnist einer Hannoveraner Tageszeitung und dem niedersächsischen Klub immer noch verbunden, wie er sagt. Angeblich soll Bobic am vergangenen Sonntag schon mit Kind gesprochen haben. Konkrete Verhandlungen zwischen ihm und der Klubführung habe es aber noch nicht gegeben. „Da ist gar nichts dran“, sagte Fredi Bobic dem Tagesspiegel. „Es kursiert momentan nur mein Name.“ Abgeneigt wäre er der neuen Aufgabe aber wohl nicht, doch Klubchef Martin Kind hat sich in der Personalfrage noch nicht öffentlich geäußert. Trainer Dieter Hecking glaubt allerdings, dass es in der Frage eines Sportdirektors „keinen Schnellschuss“ geben wird – wobei das doch gar nicht so in die jüngere Tradition des Klubs passen würde. Geduld war bei Hannover 96 zuletzt nicht unbedingt eine Tugend.

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