Sport : Wer ist Alba?

Ausgeglichen, kämpferisch und verteidigungsbereit: Das neue Basketballteam der Berliner

Benedikt Voigt

Berlin – Das Outfit von Pini Gershon spiegelte die gute Leistung der neuen Mannschaft von Alba Berlin wider. Hatte der 52-jährige Basketball-Trainer von Maccabi Tel Aviv in der ersten Halbzeit noch in einem dunklen Anzug das Spiel verfolgt, sah er im dritten Viertel verändert aus. Der Israeli coachte in einem weißen Hemd, sein Jackett hatte er abgelegt. Alba hatte den Europaligasieger ins Schwitzen gebracht.

Der erste Auftritt der neu formierten Alba-Mannschaft war vielversprechend. Der zweite Platz bei der Berlin Basketball Trophy hat gezeigt, dass die Mannschaft bereits knapp zwei Wochen vor dem Saisonbeginn auf einem hohen Niveau funktioniert. Und das, obwohl Trainer Emir Mutapcic erst seit zwei Wochen komplett mit allen sechs Zugängen trainieren konnte. In den Spielen gegen Tel Aviv (78:83), Köln (69:60) und Efes Istanbul (87:73) zeigte das Team jene Fähigkeiten, die in der vergangenen Saison oft vermisst wurden: Teamfähigkeit, Kampfgeist und Spaß am Verteidigen. Eine erste Einschätzung des neuen Alba-Teams:

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Aufbau: In diesem Mannschaftsteil trägt die vielleicht wichtigste Neuerung einen bekannten Namen – Mithat Demirel. Der Aufbauspieler zählt zwar zu den fünf Spielern, die geblieben sind und im vergangenen Jahr erstmals in acht Jahren nicht Deutscher Meister wurden. Doch bei der Trophy wirkte er wie ausgewechselt. Oder besser, wie früher: Schnell, aufmerksam, mutig. „Er hat in der Vorbereitung wieder richtig trainieren können“, sagte Trainer Emir Mutapcic über den lange verletzten Spielmacher. Sein neues Amt als Teamkapitän gibt ihm zusätzliche Verantwortung für die Mannschaft. Bei der Trophy reichte Demirel insgesamt 16 Assists. Mit dem neuen US-Amerikaner Gerald Brown wechselt er sich auf der Aufbauposition ab. Der Zugang von Partizan Belgrad wirkte bei der Trophy zurückhaltender als sein Vorgänger DeJuan Collins, der sich oft im Einzelspiel verzettelt hat. Brown hingegen ist Teamspieler, er muss in der Offensive nicht selber punkten und findet offenbar auch am Verteidigen großen Gefallen. Bei der Trophy kam er auf durchschnittlich acht Punkte und 3,3 Rebounds. Als dritter Aufbauspieler steht noch der Litauer Martynas Mazeikas zur Verfügung, der gegen Köln und Tel Aviv nur kurz spielte. Der 19-Jährige mit der kräftigen Statur zeigte jedoch in der kurzen Zeit, dass er ein äußerst unangenehmer Verteidiger sein kann.

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Flügel: In der zweiten Halbzeit gegen Tel Aviv spielte sich ein weiterer Zugang in den Blickpunkt, der Este Tanel Tein. 18 Punkte, sechs getroffene Dreipunktewürfe bei neun Versuchen, weisen ihn als guten Distanzschützen aus. Der 1,94 Meter große Flügelspieler kann notfalls auch auf der Aufbauposition aushelfen und zeigt sich mit seinen 25 Jahren bereits ziemlich routiniert. Erst recht der 29-jährige Matej Mamic. Der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft glänzte gegen Istanbul mit 19 Punkten, gegen Tel Aviv spielte er eine untergeordnete Rolle, weil er schnell drei Fouls verübt hatte. Mamic besitzt ebenfalls seine Qualitäten in der Verteidigung. Da er 2,03 Meter groß ist, kann er auch unter den Körben eine wichtige Rolle spielen. Die beiden Neuen werden sich gemeinsam mit Stefano Garris auf der Flügelposition abwechseln. Der 22-jährige Guido Grünheid kam bei der Trophy nur gegen Köln zum Einsatz und muss um einen Platz kämpfen.

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Center: Michael Wright als Power Forward ist Albas spektakulärster Zugang. Gegen Istanbul und Köln glänzte er als Topscorer (21/19), gegen Maccabi hatte er es in der Offensive (7 Punkte) schwerer, da seine Qualitäten dem Europaligasieger aus dem vergangenen Jahr bekannt sind, als er noch für Hapoel Tel Aviv spielte. Kaum bekam Wright den Ball, stürzten sich zwei Gegenspieler auf ihn. Interessant war auch das Wechselspiel, das Mutapcic auf der Centerposition trieb. Nach Jovo Stanojevics schwächerem Beginn gegen Istanbul ließ der Trainer in den folgenden Spielen Szymon Szewczyk beginnen und brachte damit Bewegung in die Centerhierarchie, die zuletzt festgefahren wirkte. Szewczyk dankte das seinem Trainer mit guten Leistungen. Der letzte Zugang, der australische Centerspieler Justin Brown, spielte zu kurz, um einen Eindruck seiner Fähigkeiten geben zu können. Er wird mindestens noch auf den 22. Oktober warten müssen. Dann wird es gegen Oldenburg für das neue Alba-Team zum ersten Mal richtig ernst.

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