Sport : Wer ist Bianka Lamade? Eine viel versprechende Spielerin aus Pforzheim

Helen Ruwald

Auf der Ergebnisliste der Qualifikation ist "Bianka" mit "c" geschrieben und handschriftlich verbessert worden. Dass "Lamade", der Nachname, nicht französisch ist, sondern sich das "e" am Ende spricht, wusste zum Auftakt der German Open auch niemand. Noch nicht. Seit gestern kennt auf der Anlage jeder die 17-Jährige. In der zweiten Runde besiegte sie die Belgierin Sabine Appelmans, Nummer 26 der Weltrangliste, klar mit 6:3, 6:1. Und spielte dabei wunderschönes Tennis. Aggressiv peitschte Lamade den Ball übers Netz - und setzte im richtigen Moment gefühlvoll einen Stoppball nach dem anderen. Diese Kombination ist selten, "das ist meine Stärke".

Den ersten erstaunlichen Schritt tat sie mit dem 6:1, 6:3-Erstrundensieg auf dem Centrecourt gegen die - allerdings völlig lustlose - Rumänin Irina Spirlea. Danach war die Pforzheimerin einfach weg, spurlos verschwunden. "Der Trainer und die WTA suchen Bianka Lamade", rief eine Mitarbeiterin im Pressezentrum verzweifelt ins Mikrofon. Das Match dauerte 54 Minuten - eine Stunde später war Lamade immer noch nicht aufgetaucht. Eine ziemliche Unverfrorenheit, so lange lässt sich Martina Hingis, die Weltranglistenerste, nicht bitten. Aber vielleicht weiß das Mädchen gar nicht, dass so viele Reporter warten? Schließlich ist es erst Lamades viertes WTA-Turnier, bisher hat sich niemand, aber wirklich überhaupt niemand für sie interessiert. Wer ist sie? Und wo kommt sie so plötzlich her?

Bundestrainer Markus Schur überbrückt die Wartezeit mit der Aufzählung ihrer Qualitäten. Kampfgeist nennt Schur, Siegeswille, unglaublichen Biss, selbstbewusst sei sie, selbstständig, sehr diszipliniert, für ihre Größe sehr beweglich. Als Schur mit der Liste durch ist, kommt Lamade. "Ich bin ins Hotel gefahren zum Duschen. Nach der Nervosität und Freude ...", erzählt sie unbekümmert. So einfach ist das. An die 170 Matches hat sie letztes Jahr gespielt, über 150 gewonnen. "Matchfit" wollte ihr französischer Trainer Hubert Choudury sie damit machen. "An dem Tag, an dem man auf WTA-Tour geht, muss man zuschlagen", erklärt Choudury. Er betreut Bianka Lamade seit zehn Jahren, finanziert ihre Karriere und macht sich große Gedanken, ob sich das je auszahlt. "Ich bin ein Lebemensch und kein Deutscher, der die Zielstrebigkeit hat, sein Konto zu füllen. Ich lebe für Momente wie diesen." Sie ist ein Typ für sich: Sie ist frech und kontert gewitzt. Sie hat die Schule nach der neunten Klasse beendet und trainiert acht Stunden täglich, "ich spiele lieber Tennis, das macht mehr Spaß, als in einer Fabrik zu sitzen." Ihr Vorbild? "Pete Sampras." Keine Dame? "Auf gar keinen Fall."

Unter die Top 250 wolle sie es in diesem Jahr schaffen, sagt sie. Das Ziel ist schon fast erreicht - sie ist 255. Am Dienstagvormittag wurde sie noch auf Rang 634 geführt. Nächste Gegnerin ist die an Nummer zwei gesetzte Französin Nathalie Tauziat. Wenn Bianka Lamade sie bezwingt, wird niemand mehr ihren Vornamen mit c schreiben.

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