Sport : Wer kriegt die Kurve?

Der Name des Berliner Olympiastadions ist bei Sponsoren begehrt

André Görke[Robert Ide],Michael Rose

Berlin - Ingo Schiller ringt um das treffende Wort. Verhandlungen? Nein. Vorgespräche? Auch nicht. Überlegungen? Schiller schweigt. Dann sagt der Geschäftsführer der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien: „Ich sage zu diesem Thema gar nichts.“ Das Thema ist heikel: Es geht um den Verkauf des Namens des Berliner Olympiastadions.

Am Dienstag verdichteten sich Gerüchte, die Betreibergesellschaft suche nach Sponsoren, die den Namen übernehmen wollen. Über ein Angebot von 100 Millionen Euro spekulierte die „BZ“. Ein Kandidat wäre Samsung. „Wir wollten die Schalke-Arena, das hat nicht geklappt“, heißt es bei Samsung. „Wir schauen uns anderweitig um.“ Der Kauf des Berliner Stadions sei derzeit Spekulation. Der Konzern ist als Großsponsor in Berlin bekannt, etwa mit einem Plakat am Charlottenburger Tor, das über die Dauer der Fußball-WM 2006 das Stadtbild prägt – zum Ärger der WM-Sponsoren. Samsung ist Sponsor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Das könnte von Vorteil sein. Denn im Gegensatz zu bereits verkauften Arenen wie in Hamburg (siehe Kasten links) gibt es in Berlin ein besonderes Problem. Das 1936 eröffnete Stadion, das von 1999 bis 2004 für 250 Millionen Euro saniert wurde, steht unter Denkmalschutz. Noch keine Stadt der Welt hat ihr Olympiastadion umbenannt. „Der Wert des Namens Olympiastadion ist im Grunde unbezahlbar“, sagt Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Er will nun mit dem IOC prüfen, ob eine Änderung zulässig ist.

In Berlin müssten zudem die Interessen des Bundes geklärt werden, der die Sanierung bezahlt hat. Eigentümer ist das Land Berlin. Hertha BSC ist Mitglied der Betreibergesellschaft und Hauptnutzer. Die Sportrechtefirma Sportfive, der auch Hertha betreut, hält das Olympiastadion für „in hohem Maße vermarktbar“, sagt Philipp Hasenbein, Bereichsleiter Vereine von Sportfive. „Dafür müssen aber die rechtlichen Grundlagen geklärt sein.“

Laut Insidern würde ein Sponsor jährlich sechs bis acht Millionen Euro zahlen. Im ersten Jahr nach dem Umbau verzeichneten die Betreiber ein Minus von 2,4 Millionen Euro. Peter von Löbbecke, Manager des Olympiastadions, sagt zum Ausweg Umbenennung: „Alle deutschen Stadien machen das, deshalb müssen die Gesellschafter miteinander reden.“

Bereits vor sechs Jahren wurde über einen Namenssponsor diskutiert. Die Entscheidung fiel negativ aus. Für das Land hat das Stadion Symbolwert. Nun könnten wirtschaftliche Zwänge zum Umdenken zwingen. „Die Stadt braucht das Geld“, sagt die FDP-Sportpolitikerin im Abgeordnetenhaus Mieke Senftleben. Sie plädiert für einen gekoppelten Namen, etwa Samsung-Olympiastadion. Dann müsste aber geklärt werden, was aus dem Olympischen Platz oder dem S- und U-Bahnhof Olympiastadion wird.

Intern favorisieren viele, das Stadion erst nach der WM 2006 umzubenennen. Zur WM sind keine Sponsoren-Arenen zugelassen – das Olympiastadion müsste „Stadion Berlin“ heißen.

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