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Werder Bremen - Hamburger SV 1:0 : Der HSV verliert und bleibt Tabellenletzter

Weiter Abstiegskandidat Nummer eins: Im Nordderby setzt es für Hamburg eine weitere empfindliche Niederlage. Neu-Trainer Labbadia haderte mit dem Schiedsrichter - das Problem des HSV liegt aber an anderer Stelle.

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Glücklos: Neu-Trainer Bruno Labbadia (r.) und der Hamburger SV.
Glücklos: Neu-Trainer Bruno Labbadia (r.) und der Hamburger SV.Foto: reuters

Bruno Labbadia hatte die Hände in die Hüften gestützt und verfolgte reglos, was da um 17.12 Uhr passierte. Wie Franco Di Santo zum Elfmeter anlief, René Adler in die linke Ecke fliegen ließ und den Ball halbhoch rechts ins Tor jagte, zum 1:0-Siegtor für Werder Bremen, exakt sieben Minuten vor Schluss. Es war die bittere Pointe in Labbadias erstem Spiel als Trainer des Hamburger SV. Auch unter dem vierten Trainer dieser Saison bleibt der HSV auf dem letzten Platz der Fußball-Bundesliga, der erste Abstieg nach bald 52 erstklassigen Jahren rückt immer näher. „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, sangen die Werder zugeneigten Fans im mit 42 500 Zuschauern ausverkauften Weserstadion.

Ganz unaufgeregt sprach Labbadia später von „einer großen Enttäuschung – vor allem wie sie zustande gekommen ist“. Nein, nichts gegen den von Wolfgang Stark verhängten Elfmeter in Folge einer Handgreiflichkeit von Valon Behrami gegen Zlatko Junuzovic, „das kann man schon so pfeifen“. Aber musste es auch noch eine Rote Karte für Behrami sein? „Das pfeift nicht jeder“, sagte Labbadia. Verteidiger Heiko Westermann wurde noch deutlicher: „Diese Mehrfachbestrafung ist lächerlich, außerdem hat der Schiedsrichter übersehen, dass Cleber vorher geblockt wurde. Es hätte Freistoß für uns geben müssen.“

Beim HSV war kein offensives Spiel erkennbar

Alles Herumdoktern an dieser neuerlichen Niederlage war wenig zielführend, denn es negierte das eigentliche Problem der Hamburger. Zwar hatten sie endlich einmal auf die zuletzt systemimmanenten und verheerenden Fehler in der Defensive verzichtet. Aber Fußball im kreativen Sinne dieser Sportart war bei ihnen auch in diesem Nordderby nicht auszumachen. Anders als beim Schneckenrennen in der vergangenen Saison dürfte es diesmal auch darauf ankommen, das eine oder andere Spiel zu gewinnen. Das verlangt nach offensivem Spiel, Chancen und Toren, wovon bei den Hamburgern wieder mal nicht viel zu sehen war.

Der HSV konnte nicht einmal Kapital aus dem einzigen Bremer Problem der vergangenen so erfolgreichen Wochen schlagen. Weil der Torhüter Raphael Wolf zuletzt öfter daneben gegriffen hatte, stellte Trainer Viktor Skripnik seinen Ersatzmann Koen Casteels ins Tor und scherte sich wenig darum, dass dieser so gut wie gar keine Spielpraxis hatte. Ob das mit Casteels eine gute Idee war, erschloss sich erst einmal nicht, was allerdings weniger an dem Torhüter lag denn an den Hamburgern, deren Idee vom Fußball ähnlich destruktiv angelegt war wie in den vergangenen Wochen. Skripnik bescheinigte Casteels zufrieden: „Er hat keine Fehler gemacht!“ Kunststück, er bekam ja auch keinen Ball zu halten. Die einzige erfolgversprechende Hamburger Torannäherung war ein Schuss von Zoltan Stieber nach einer halben Stunde, er landete einen halben Meter neben dem Pfosten. Die brenzligste Situation für den belgischen Torhüter war ein Check des ungestümen Pierre-Michel Lasogga.

Nicht schön, nicht spannend

Eine der auffälligsten Hamburger Aktionen verantwortete Raffael van der Vaart – aber anders, als vom einem Kreativgeist erwartet. Bruno Labbadia hatte dem Niederländer aufgetragen, er möge doch bitte auf seiner Abschiedstournee nicht grätschen, sondern seinen besten Fußball zeigen. So ganz scheint diese Anregung bei van der Vaart nicht angekommen zu sein. Nach einer Viertelstunde trat er im Niemandsland in der Mittellinie mit Anlauf in die Beine von Jannik Vestergaard, der ein paar Minuten lang behandelt wurde und dann Platz machen musste für Assani Lukimya. Warum Stark für dieses Vergehen nicht mal eine Verwarnung aussprach, blieb sein Geheimnis.

Nein, es war kein schönes Fußballspiel, nicht einmal ein besonders spannendes. Die Bremer versuchten es immerhin, wenn auch lange ohne durchschlagenden Erfolg und nur mit ein paar Mini-Chancen für Di Santo, Davie Selke und Levin Öztunali. Alles sprach schon für ein auch in dieser Höhe verdientes 0:0. Dann riss Behrami im Strafraum den davon geeilten Junuzovic um, Labbadia stemmte die Hände in die Hüften und die Dinge nahmen ihren Lauf.

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