Sport : Werder wird weise

Bremen begeistert in der Champions League und verlängert mit Trainer Schaaf

Steffen Hudemann[Bremen]

Die Mär von der totalen Ahnungslosigkeit ließ sich nicht lange aufrechterhalten. Einhellig hatten die Bremer beteuert, die Ereignisse in Norditalien nicht verfolgen zu wollen. Sportdirektor Klaus Allofs behauptete gar, „von mir aus hätten wir nach dem Spiel einen Umschlag mit dem Ergebnis aus Udine öffnen können“. Doch dann verriet Stürmer Nelson Valdez, dass er nach seiner Auswechslung auf der Bremer Bank auf einem kleinen Bildschirm gesehen habe „wie jemand in einem gelben Trikot jubelte“. Da wusste er: Der FC Barcelona hatte das Tor geschossen, auf das sie alle gewartet hatten.

Ohne den späten 2:0-Sieg der Spanier bei Udinese Calcio hätte Werder Bremens 5:1 gegen Panathinaikos Athen nicht zum Erreichen des Achtelfinales der Champions League gereicht. Oft reden Fußballspieler und -trainer davon, wie wichtig es ist, dass man etwas „aus eigener Kraft“ erreichen könne. Wie quälend es sein kann, wenn die eigene Kraft nicht auszureichen scheint, war am Mittwoch zu spüren. Trotz einer 4:1-Führung war es im Weserstadion totenstill. Erst der Kunde von Barcelonas Tor folgte ein kollektiver Urschrei, der sogar die Akteure auf dem Rasen kurz innehalten ließ.

Werder Bremen hat im zweiten Jahr in Folge die Gruppenphase erfolgreich bestritten, und man kann Allofs nicht widersprechen, dass der zweite Platz zwar glücklich zustande kam, aber verdient war. „Unsere Gegner haben uns immer gesagt, dass wir die zweitbeste Mannschaft in der Gruppe sind“, sagte der Sportdirektor. Werder darf sich auf einen Geldsegen von drei bis fünf Millionen Euro freuen, doch wichtiger ist den Bremern das Prestige, das die abermalige Zugehörigkeit zum Zirkel der 16 besten Klubs Europas bringt. „Wenn man nur einmal in diesem Kreis dabei ist, ist man noch keine feste Größe“, sagte Allofs. Nun ist Werder schon eine etwas festere Größe – was umso erstaunlicher ist, wenn man die zahlreichen Verletzungen betrachtet. Bei ohnehin kritischer Lage war auch noch Tim Borowski mit einer Leistenverletzung ausgefallen. Seine Hilfe wurde aber kaum vermisst, weil einer wieder dabei war: Innerhalb von zwei Wochen war Miroslav Klose von seinem Jochbeinbruch genesen. Der Stürmer schützte sein Gesicht zwar noch mit einem Protektor aus Plexiglas – was ihn aber kaum behinderte. Im Gegenteil: Klose war für Werder ein Messias mit der Maske. Nach 55 Sekunden holte er den Elfmeter zum 1:0 durch Micoud heraus, in der zweiten Halbzeit schloss er einen Konter zum 4:0 ab. Vor allem aber geht Kloses Part in Bremen inzwischen weit über den des Torjägers hinaus. Er übernimmt die Führungsrolle, die Johan Micoud in Bremen trotz seines auch gegen Athen überragenden Spiels nie so recht ausfüllen konnte. Allein der Einsatz und Kampfeswille des Nationalstürmers reicht, um seine Kollegen zu beflügeln.

An Kloses Seite gelang zum Beispiel dem oft zappeligen Nelson Valdez ein Entwicklungssprung. Mit seinen Toren zum 2:0 und 3:0 sicherte er Werder den Sieg. Dabei verwertete er genau die halbsicheren Chancen, die er zuletzt stets überhastet vergeben hatte. Nicht nur Valdez, die gesamte Mannschaft legte endlich jene Effizienz an den Tag, die erforderlich ist, um auf oberstem europäischen Niveau mitzuhalten. Auf diese neue Eigenschaft bezog sich wohl auch die etwas wirr formulierte Frage eines griechischen Journalisten an Werders Trainer Thomas Schaaf. Er wollte wissen, wie Bremen 5:1 gewinnen konnte, ohne aufs Tor zu schießen. „Meines Wissens muss man aufs Tor schießen, um ein Tor zu erzielen“, antwortete Schaaf. Solche Weisheiten wird man auch künftig von ihm hören. Werder gab gestern bekannt, dass der Trainer seinen Vertrag in Bremen bis 2008 verlängert hat.

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