Wettmafia : Hinter dem Hintermann

Die Festnahme des Wettpaten Dan Tan hat die Betrugsmafia im Fußball geschwächt, aber nicht zerschlagen.

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Berlin - Mitte der vergangenen Woche sorgte die Nachricht, dass der Wettpate Dan Tan gefasst sei, für weltweite Aufregung. Der 49 Jahre alte Geschäftsmann aus Singapur steht im Zentrum von Manipulationsskandalen in verschiedenen Ländern. „Über seine Verbindungen liefen die Gelder, die im asiatischen Wettmarkt auf manipulierte Spiele im italienischen Fußball gesetzt wurden. Von seinen Laufburschen stammten auch die Bestechungsgelder für die Sportler“, sagte der Staatsanwalt Roberto di Martino, der im italienischen Cremona die Ermittlung „Last Bet“ leitet. Auch in Budapest, wo pikanterweise zwei Tage nach der Verhaftung von Dan Tan der erste Prozess gegen insgesamt 45 mutmaßliche Wettbetrüger im ungarischen Fußball eröffnet wurde, gilt Dan Tan als Mastermind der Spielmanipulationen. Dies bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Mittelsmänner von Dan Tan tauchten zudem in den Bochumer Ermittlungen zu den Betrugsversuchen im deutschen Fußball auf. Wie eine Recherche der Singapurer Tageszeitung „The New Paper“ ergab, stand Dan Tan sogar im Zentrum einer dubiosen Affäre rings um das Champions-League-Finale 1997 zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin. Dem Blatt zufolge, das über Dan Tan als mutmaßlichem Wettbetrüger bereits 2010 berichtet hatte, beklagte sich der frühere Boxchampion Rocky Selvarajoo darüber, dass Dan Tan und dessen „Lehrmeister“ Rajendran Kurusamy ihn um 200 000 Dollar betrogen hätten, als sie ihn dazu animierten, diese Summe auf Juventus zu setzen. Dan Tan wurde ihm dabei als „Mann mit Insiderinformationen über verschobene Spiele“ präsentiert. Dortmund gewann jedoch 3:1. Des Boxers Geld war dahin. Ob Dan Tan und sein Partner tatsächlich Informationen über einen – letztendlich fehlgeschlagenen – Betrugsversuch hatten, sogar aktiv an ihm beteiligt waren oder lediglich die allgemeine Erwartung des Ausgangs dieses Spiels an den wettfreudigen Exprofi übermittelten, ist unklar. Immerhin war Dan Tans Kompagnon Kurusamy bereits der Organisator der mysteriösen Flutlichtausfälle in der englischen Premier League im gleichen Jahr. Und Dan Tan selbst erzählte dem „Spiegel“ in einem Chat, dass er den Flutlichttrick vier Jahre später beim Champions-League-Spiel zwischen Fenerbahce Istanbul und dem FC Barcelona wiederholt hätte. Allerdings habe dort ein funktionierendes Notstromaggregat den Plan durchkreuzt.

Statt mit Journalisten zu chatten, muss sich Dan Tan derzeit mit den Verhörspezialisten der Antikorruptionseinheit der Polizei von Singapur auseinandersetzen. Insider glauben, dass er auspacken wird. Er stehe zu sehr im Fokus und müsse mit einer exemplarisch harten Strafe rechnen, wenn er schweigt, vermutete ein Kenner der Szene. Bereits in der Vergangenheit hat Dan Tan mit den Behörden kollaboriert. So konnte kurz nach einem solchen Treffen die italienische Polizei den früheren slowenischen Fußballprofi Admir Suljic auf dem Mailänder Flughafen in Empfang nehmen. Er kam frisch aus Singapur – und gilt als Mitglied der Führungsriege in Dan Tans Syndikat.

Selbst dieses Bauernopfer konnte den Boss nicht mehr retten. Er wurde aufgrund eines Gesetzes gegen Drogenschmuggel und Geldwäsche festgenommen. Dass nun Ruhe einkehrt, glaubt indes niemand. Polizeifahndern zufolge sind in Singapur weitere Betrüger vom Kaliber Dan Tans aktiv. Ein früherer Geschäftspartner von ihm, der 2011 in Finnland gefasste Wilson Raj Perumal, wurde sogar aus dem Polizeigewahrsam heraus aktiv. Obwohl in Ungarn unter Polizeiaufsicht stehend, organisierte er ein Betrugssystem im australischen Fußball. Vorletzte Woche wurden deshalb zehn Personen in Australien festgenommen. Die ungarische Staatsanwaltschaft wollte dies nicht kommentieren.

Perumals Verhalten legt jedoch einen für den Fußball beunruhigenden Schluss nahe: Wer einmal den Weg ausbaldowert hat, über manipulierte Fußballspiele schnell reich zu werden, kann davon nicht mehr lassen. Tom Mustroph

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