Wettmanipulation : Gift und Menschenraub

Die Wettbetrüger sollen auch Gewalt angewendet haben. Der SSV Ulm entlässt drei Spieler, beim SC Verl wurde eingebrochen. Nach Medieninformationen hat sich der Skandal auch auf Basketball und Tennis ausgeweitet.

Ulm/Verl Die Manipulationsversuche im internationalen Wettskandal betreffen offenbar auch Tennis und Basketball. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ soll die Bochumer Staatsanwaltschaft auch Tennis- und Basketballspiele untersuchen,
darunter sogar eine Playoff-Partie aus der Basketball-Bundesliga im Juni. In den Akten der Ermittler aus Bochum soll es zudem Hinweise geben, nach denen ein Frauen-Doppel im Tennis im April im marokkanischen Fes verschoben wurde.

Laut den Ermittlungsunterlagen im Fußball-Wettskandal scheint ein weltweit aktives Netzwerk hinter den Spielmanipulationen zu stecken. Das sagte Rechtsanwalt Burkhard Benecken nach Einsicht in die Akten seines seit einer Woche in Untersuchungshaft sitzenden Mandanten Deniz C. – der 30-Jährige SC VERL]soll eine zentrale Figur des Wett- Netzwerks sein. Welche Spiele Deniz C. mitmanipuliert haben soll, ist nicht bekannt. Laut Ermittlungsunterlagen soll er vor allem den unter Verdacht stehenden Mario C. unter Druck gesetzt haben. Dieser soll ein Drahtzieher bei den Manipulationen gewesen sein. Die Bande sei durch ihre Gewaltbereitschaft der organisierten Kriminalität zuzuordnen. Man schrecke nicht mehr davor zurück, Menschen in Keller einzusperren oder Spieler zu betäuben, sagte Benecken, nahm seinen Mandanten jedoch davon aus.

Deniz C. wird neben gewerbsmäßigem Bandenbetrug auch erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. „Er hat damit nichts zu tun“, erklärte Benecken./SC VERL] Der Anwalt sagte der SC VERL]„Bild“/SC VERL]-Zeitung, die Betrüger hätten versucht, den Arzt eines slowenischen Teams mit Präparaten auszustatten, damit er eigene Spieler betäube. Zudem habe es Versuche gegeben, Hotelköche anzustiften, Spieler zu vergiften. Die Wettmafia sei in asiatischen Ländern aktiv gewesen, aber auch in Holland.

Als erster deutscher Klub hat Regionalligist SSV Ulm wegen des Wettskandals drei Spielern gekündigt. Bei den Spielern handelt es sich um Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic. Nach Informationen der „Südwest Presse“, die sich auf Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft beruft, sind entgegen den Vermutungen bislang auch Spiele der laufenden Saison betroffen. So soll es beim 1:3 vom 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein. In diesem Spiel habe Radojevic einen Handelfmeter in die Arme des gegnerischen Torhüters geschossen. Auch das am 18. Oktober mit 1:3 verlorene Spiel beim SC Freiburg II war offenbar manipuliert.

Bei Kraljevic habe es eine Hausdurchsuchung gegeben. Auch die Wohnung von Marinovic sollte durchsucht werden, der 26-Jährige sei aber nicht zu Hause gewesen. Bei Radojevic habe es zwar keine Durchsuchung gegeben, der Verein habe bei dem 31-Jährigen jedoch einen Verdacht gehabt und sei von sich aus auf ihn zugegangen. Auch Marcel Schuon droht bei seinem Klub der Rauswurf. Der Drittligist SV Sandhausen erwägt, sich von dem unter Manipulationsverdacht stehenden Profi zu trennen. „Auch wenn er seine Unschuld beweisen kann, wird es schwer für ihn, hier noch einmal Fuß zu fassen“, sagte SVS-Präsident Jürgen Machmeier der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

In der Nacht zu Donnerstag war in das Vereinshaus des ebenfalls in den Fokus geratenen Regionalligisten SC Verl eingebrochen worden. „Die Unterlagen in meinem Büro sind wild durchwühlt worden“, sagte der Vereinsvorsitzende Peter Mankartz. Die unbekannten Täter entwendeten einen Tresor. dpa

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