Sport : Wie die Großen

Hertha spielt mit der mutigen Taktik eines Spitzenteams – auch heute gegen den Tabellenführer Stuttgart

Mathias Klappenbach

Berlin - Das Beste an der Saison von Hertha BSC war bisher, dass die Mannschaft nicht richtig schlecht gespielt hat. Trotz der unbefriedigenden Resultate. Die Vorgaben von Trainer Falko Götz, verlorene Bälle mit intensiver Laufarbeit sofort zurückzuerobern und dann mit schnellen Kombinationen nach vorne zu spielen, wurden zumindest phasenweise umgesetzt.

Dabei sind nur vier Unentschieden, unter anderem gegen die Aufsteiger aus Mainz und Nürnberg, herausgesprungen. Und Hertha hielt das Konzept noch keinmal über 90 Minuten durch. Aber dem Trainer war zumindest offiziell wichtiger, dass die Mannschaft temporär die richtigen Ansätze gezeigt hatte. Götz will das Team mit seiner mutigen taktischen Ausrichtung und offensiven Aufstellung dazu bringen, sich so wenig wie möglich nach dem Gegner zu richten.

Auf dieser Grundauffassung basiert auch die Spielweise des heutigen Gegners VfB Stuttgart (17.30 Uhr, Olympiastadion, live auf Premiere). Der Tabellenführer der Bundesliga praktiziert sie mit großem Erfolg – so wie beim 3:1-Sieg im Uefa-Cup am vergangenen Donnerstag bei Ujpest Budapest. „Da war der VfB von Anfang an sehr aggressiv“ sagt Falko Götz. „Wir werden das aber anders machen als die Ungarn. Stuttgart darf auf keinen Fall ungestört spielen.“

Denn dann beherrscht der VfB das, woran es Hertha bisher mangelt: Die letzte Genauigkeit in den Kombinationen aus der Abwehr und dem Mittelfeld in die Spitze. Insofern trifft Hertha heute auf eine spielstarke Mannschaft, die ihr einen wesentlichen Schritt in ihrer Entwicklung voraus ist. Und somit als Vorbild dienen könnte. Die junge Stuttgarter Mannschaft hat mit dieser Spielweise unter ihrem ehemaligen Trainer Felix Magath große Erfolge gefeiert. Und es sieht momentan so aus, als ob das auch mit dem neuen Coach Matthias Sammer weitergeht.

Trotz des Entwicklungsvorsprungs der Stuttgarter wird Falko Götz auch gegen die Schwaben wieder mit fünf offensiv ausgerichteten Spielern agieren. Hinter den beiden Stürmern, zu denen aller Wahrscheinlichkeit nach von Beginn an wieder Fredi Bobic zählen wird, sollen die Brasilianer Marcelinho und Gilberto sowie Thorben Marx vor allem nach vorne spielen. Diese Taktik wird noch deutlicher erkennbar werden, wenn der immer noch verletzte Neuzugang Yildiray Bastürk den zentralen Mittelfeldspieler Marcelinho in der Offensivarbeit unterstützen wird. Die Stuttgarter haben eine ähnliche Formation, in der im Mittelfeld Aliaksandr Hleb eine entscheidende Rolle zukommt. Der Weißrusse bekommt in vielen Bundesligaspielen ganz traditionell einen festen Gegenspieler zugeordnet, der ihn am Spielaufbau hindern soll. „Wir haben niemanden, der Hleb die ganze Zeit bewacht“, sagt Götz. „Es ist aber klar, wer ihn in welchem Raum übernimmt.“

An diesem Detail lässt sich erkennen, mit welchem Optimismus und welchem Anspruch Hertha in das Spiel gegen den Tabellenführer, bei dem der Nationalstürmer Kevin Kuranyi verletzt fehlt, heute gehen wird. Es ist der Anspruch, taktisch wie eine Spitzenmannschaft zu spielen. „Wir wollen immer das Heft des Handels in die Hand nehmen, egal, wie der Gegner heißt“, betont Götz immer wieder.

Der VfB Stuttgart weiß schon, wie das geht.

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