Sport : Wie einst in München

England hofft wieder auf Heskey und Owen

Markus Hesselmann

London - Zumindest die „Sun“ weiß schon, was kommt. Oder besser, was nicht kommt, auf keinen Fall, selbst wenn das derzeit schlimmstmögliche Szenario wahr werden sollte: Steve McClaren macht nicht den Kevin Keegan. Der englische Nationaltrainer trete auch dann nicht zurück, wenn seine Mannschaft die beiden Heimspiele in der EM-Qualifikation heute gegen Israel und am Mittwoch gegen Russland verliert. Keegan hatte im Jahr 2000 direkt nach einem WM-Qualifikationsspiel, dem 0:1 gegen Deutschland im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion, seinen Rücktritt als Nationaltrainer erklärt. McClaren sei aber nicht der Typ, einfach aufzugeben, soll ein namentlich nicht genannter Funktionär des englischen Fußballverbandes dem Boulevardblatt anvertraut haben. Und der Verband würde McClaren nicht entlassen, so lange noch eine rechnerische Chance auf einen der ersten beiden Gruppenplätze und damit die Teilnahme an der EM in Österreich und der Schweiz 2008 bestehe.

Möglich wäre die Qualifikation auch dann tatsächlich noch. Allerdings müsste England – in der Tabelle Vierter hinter Kroatien, Israel und Russland – das Auswärtsspiel in Russland sowie daheim gegen Kroatien gewinnen und wäre auf Punktverluste der Konkurrenz angewiesen. Einen Heimsieg gegen Estland darf man selbst bei Englands gegenwärtiger Schwäche voraussetzen.

Ein Starensemble, das lustlos und überarbeitet wirkt, ein hilfloser Trainer und ein Torwartproblem – das sind Gründe für Englands Misere. Und nun sind auch noch wichtige Spieler verletzt. Allen voran David Beckham. Seine Rückkehr, zu der McClaren gedrängt werden musste, tat England gut. Endlich einer, der Einsatz- und Siegeswillen ausstrahlt. Beckham ist aber nun am Knie verletzt. Insgesamt fehlen zehn Spieler, darunter Wayne Rooney und Frank Lampard.

McClaren hofft auf Owen Hargreaves, der das Training wegen Oberschenkelbeschwerden abbrach. „Zum Glück ergab die Untersuchung nur ein kleines Problem“, sagte McClaren. Hargreaves sei ein „entschlossener Charakter“ und wolle spielen. „Wir werden aber mit ihm kein Risiko eingehen.“ Steven Gerrard soll trotz gebrochenen Zehs spielen – zur Not nach einer schmerzstillenden Spritze. Zumindest für das Israel-Spiel setzt McClaren im Tor auf Paul Robinson, trotz seines Fehlers im Spiel gegen Deutschland. Auch Robinsons Konkurrent David James ist ja immer für einen Aussetzer gut.

Nach Beckham taucht nun Emile Heskey wieder im Kader auf. Der 29 Jahre alte Stürmer von Wigan Athletic, deutschen Fans wegen seines starken Auftritts und eines Tores bei Englands 5:1 vor sechs Jahren in München gut bekannt, könnte neben Michael Owen auflaufen. Der lange verletzte Owen gibt den Engländern eher wegen historischer Großtaten – unter anderem drei Tore in München – und weniger wegen aktueller Höchstleistungen Hoffnung. Da wäre der Münchner Sturm also wieder vereint. In Ermangelung jüngerer Heldentaten klammern sich Englands Fans an diesen Sieg gegen den alten Rivalen. T-Shirts mit dem Resultat werden jetzt in Wembley wieder zu sehen sein – obwohl Deutschland diesmal gar nicht dort spielt. Markus Hesselmann

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