Sport : Wie im Kino

Drazan Tomic war früher bei Alba, spielt einen Alba-Basketballer im Film und tritt heute in der Bundesliga mit Braunschweig gegen Alba an

Benedikt Voigt

Berlin - Es gibt Stunden, in denen der Braunschweiger Basketballprofi Drazan Tomic ein Trikot des Ligakonkurrenten Alba Berlin trägt. Sein Braunschweiger Trainer Emir Mutapcic weiß davon, „aber ich habe es noch nicht gesehen“. Wenn Tomic für Berlin aktiv ist, steht er in der Max- Schmeling-Halle und schenkt einem behinderten Alba-Fan einen Ball mit den Worten: „Im Namen der Mannschaft überreiche ich dir den Ball, mit dem ich meine beste Saison gespielt habe.“ Im Namen der Alba-Mannschaft?

Drazan Tomic hat ein kleines Identitätsproblem. Für wen steht er denn nun, wenn heute die New Yorker Phantoms Braunschweig bei Alba Berlin antreten (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle)? „Mehr für Braunschweig“, sagt der 32 Jahre alte Flügelspieler und lacht. Das ist immerhin der Klub, der ihn in dieser Saison verpflichtet hat. Seit dem 16. November ist er allerdings auch als Alba-Spieler mit dem Namen Mercurio Müller in der deutschen Kinokomödie „Wo ist Fred“ mit Til Schweiger, Jürgen Vogel und Alexandra Maria Lara zu sehen. Doch Tomic verbindet nicht nur der Film mit Alba. Im realen Leben spielte er zwischen 1992 und 1997 für die Berliner, später half der ehemalige Nationalspieler noch einmal für ein paar Monate aus. Erst im Sommer ist er vom griechischen Zweitligisten Kolossos Rhodos nach Braunschweig gewechselt. Da war der Film längst abgedreht.

„Ich wollte zunächst gar nicht mitmachen“, erzählt Drazan Tomic. Im August 2005 hatte ihn die Geschäftsstelle von Alba Berlin angerufen: Die Senator-Filmgesellschaft suche jemanden, der die basketballerische Hauptrolle übernehmen könne. „Alba befand sich schon in der Vorbereitung, und Trainer Henrik Rödl wollte keinen Spieler drei Tage lang abstellen“, sagt Tomic. Er hingegen hatte Zeit, er wartete in Berlin auf ein neues Vertragangebot. Als die Geschäftsstelle ein zweites Mal anrief und ihm auch seine Frau zuriet, übernahm Tomic die Rolle. „Wir haben von 8.30 Uhr bis 20 Uhr gedreht“, berichtet er, „immer wieder mussten wir einzelne Spielszenen wiederholen.“ Der Gegner trug Trikots von Bayer Leverkusen, in denen allerdings Spieler des Berliner Zweitligisten TuS Lichterfelde steckten.

Mit Til Schweiger, der in dem Film Fred heißt und vorgibt, behindert zu sein, habe er sich kurz unterhalten. „Aber er interessiert sich nicht so sehr für Basketball“, sagt Tomic. Über 100 Mal habe er einen Dunking machen müssen. Dabei stopft er den Ball sonst nur selten durch den Korb. „Im Film hatte ich ein Trampolin“, verrät Tomic. Eigentlich will er aber gar nicht mehr so viel darüber reden. „Das war Hollywood“, sagt er, „heute ist Alltag.“

Der Alltag bringt ein Bundesligaspiel des Abstiegskandidaten Braunschweig beim Tabellenführer. „Alba hat viel Selbstvertrauen nach dem Sieg im Uleb-Cup über Khimki“, sagt Tomic. Und auch sein Trainer Emir Mutapcic gibt ein eher bescheidenes Ziel aus: „Wir wollen meine Freunde von Alba Berlin ein bisschen ärgern“, sagt Mutapcic. Er kehrt heute exakt zwei Jahre nach seiner Entlassung bei Alba Berlin zum zweiten Mal zurück in die Max-Schmeling-Halle. Die aktuelle Berliner Mannschaft hält er für besser als die Ligakonkurrenten Köln und Bamberg. „Sie ist konstanter“, sagt Mutapcic.

Er hat Drazan Tomic geholt, obwohl dieser im wirklichen Leben nicht so ein Star ist wie Mercurio Müller. In 15 Minuten erzielt er in Braunschweig durchschnittlich 4,6 Punkte. „Wir wollten Erfahrung in unsere junge Mannschaft bekommen, er war lange im Ausland und kennt die Bundesliga gut“, sagt Mutapcic, „das ist besser, als einen fremden Amerikaner zu holen.“ Außerdem habe er es als Mercurio Müller in Braunschweig zu einer gewissen Bekanntheit geschafft. Emir Mutapcic hat seiner Mannschaft trainingsfrei gegeben, um „Wo ist Fred“ zu sehen. „Drazan Tomic ist ein großer Star“, sagt Mutapcic, „nach seiner Basketballkarriere kann er ins Showbusiness gehen.“ Dann muss er lachen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben