Sport : Wie im Krimkrieg

Englands Medien attackieren Trainer McClaren nach dem 1:2 in Russland

Markus Hesselmann[London]

Für Steve McClaren ist der Schiedsrichter schuld, für die britischen Medien ist es Steve McClaren. „Helden von McClaren verraten“, titelte das Massenblatt „Daily Mail“ am Tag nach der 1:2-Niederlage der englischen Fußballnationalelf im EM-Qualifikationsspiel am Mittwochabend in Moskau. Der Nationaltrainer habe damit seine Entlassungurkunde unterschrieben. McClarens Glaubwürdigkeit sei „zerfetzt“, schrieb der „Daily Telegraph“. Laut englischem Fußballverband bleibt McClaren aber auf jeden Fall bis zum Ende der Qualifikationsrunde im Amt. England ist nun auf fremde Hilfe angewiesen, um sich noch für die EM 2008 zu qualifizieren.

Wie so oft in britischen Medien, wählte die „Daily Mail“ den militärischen Vergleich: Wie einst Lord Cardigan eine leichte Brigade im Krimkrieg in den sicheren Tod schickte, so habe McClaren jetzt sein Team für das Spiel in Moskau aufgestellt. Kritik galt unter anderem der Wahl des jungen Abwehrspielers Joelene Lescott und des Torwarts Paul Robinson, der wieder einmal nicht gut aussah, als er den Ball vor dem Siegtreffer der Russen nicht weit genug abwehrte. „England ins Luschniki-Stadion zu schicken mit einem nervösen Novizen als linkem Verteidiger, einem Torwart ohne Selbstvertrauen und, am ruinösesten von allem, einem zahlenmäßig und an Kreativität unterlegenen Mittelfeld war nichts anderes als selbstmörderisch“, schrieb der Reporter der „Daily Mail“.

McClaren dagegen machte Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo für die Niederlage verantwortlich. Der Spanier hatte auf Elfmeter entschieden, nachdem Rooney knapp außerhalb des Strafraums Zyrjanow umgerissen hatte. „Das ist eine absolute Schande“, sagte McClaren. „Wegen einer Entscheidung wurde aus unserer Anwartschaft auf den Sieg eine Niederlage.“ Rooney hatte England in Führung gebracht. Pawljutschenko glich durch den Elfmeter aus und erzielte dann auch das 2:1.

Die Engländer sind am nächsten Spieltag spielfrei und müssen im Kampf um einen der beiden Qualifikationsplätze auf Hilfe aus Israel hoffen. Nur wenn Russland dort nicht gewinnt oder aber im unwahrscheinlichen Fall, dass Tabellenführer Kroatien in Mazedonien verliert, haben die Engländer die Chance, sich in ihrem letzten Spiel gegen Kroatien für die EM zu qualifizieren. Russland dürfte sein letztes Spiel in Andorra wohl gewinnen.

Vom Moskauer Kunstrasen, zuvor als Hauptbedrohung der englischen Qualifikationskampagne identifiziert, war gestern kaum mehr die Rede. Der Platz, so viel scheint klar, war nicht schuld.

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