Sport : Wieder am Limit

Hilde Gerg wird immer besser – zweiter Saisonsieg in Italien

-

Cortina d’Ampezzo (Tsp). Es geschah im Dezember 2002. Das große Unglück der Hilde Gerg, der traurigste Moment ihrer Karriere als Skifahrerin. 24 Stunden nach ihrem WeltcupSieg in Lake Louise erlitt sie bei der zweiten Abfahrt auf der selben Piste einen Kreuzbandriss im linken Knie. Der Cheftrainer des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), Wolfgang Maier, war geschockt. „Diese Verletzung ist frustrierend. Hilde war auf einem guten Weg, ihr Ausfall tut extrem weh.“ Schon im Jahr zuvor hatte Gerg fast den gesamten Winter wegen einem Unterschenkelbruch ausgesetzt. Ob sie erneut die Kraft und Motivation hatte, ein Comeback zu starten?

Das war die Frage, das ist aber seit einigen Wochen nicht mehr die Frage. Hilde Gerg hat nicht aufgegeben, Hilde Gerg ist zurück, und sie ist besser in Fahrt denn je. Gestern hat sie im italienischen Cortina d’Ampezzo bereits ihrem zweiten Saisonsieg gefeiert. Nur sieben Tage nach ihrem Triumph beim Super-G im schweizerischen Veysonnaz gewann die 28-Jährige die erste von zwei Abfahrten. Hilde Gerg ließ sich nicht mal von widrigen äußeren Umständen aufhalten: Sie kämpfte sich durch das Schneetreiben und siegte in 1:17,57 Minuten vor der Österreicherin Renate Götschl.

Der erste Abfahrtssieg seit ihrer Kreuzbandoperation im März 2003 war eine Befreiung für Gerg. Die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 hat ihre letzten Selbstzweifel und ihre letzten Zweifler besiegt. „In den letzten Rennen habe ich mich oft nicht getraut, von oben bis unten ans Limit zu gehen. Das hat heute geklappt.“ Für Hilde Gerg war der Triumph ein ganz besonderer. „Heute hat sich ein Kreis geschlossen. Als ich die rote Nummer zum letzten Mal hatte, habe ich mich ja verletzt.“ Das war eben an jenem 6. Dezember 2002 in Lake Louise, wo Gerg ihre bislang letzte Abfahrt gewonnen hatte und sich am Tag darauf das Kreuzband riss. Übrigens im roten Trikot der Führenden im Abfahrtsweltcup, das sie in Cortina erstmals seit dem Unglückstag wieder trug. „Das war schon komisch“, sagte sie.

Durch den sechsten Abfahrtssieg ihrer Karriere fährt Hilde Gerg nun weiter in rot, sie baute ihre Führung in der Weltcup-Wertung aus: Mit 385 Punkten liegt die Lenggrieserin nun 25 Punkte vor Götschl, die auch im Super-G-Weltcup mit neun Punkten Rückstand ihre Verfolgerin ist. Im Gesamtweltcup ist die Deutsche ebenfalls gut, hinter Götschl (789 Punkte), die sich nur um einen Punkt und der Schwedin Anja Pärson (788) liegt sie auf Rang drei (710).

Über ihre unglaublichen Erfolge erschreckt sich Hilde Gerg dieser Tage mitunter selbst – nach all dem, was sie durchgemacht hat. „Irrsinnig konstant“, sei sie im Augenblick, sagt Hilde Gerg und lächelt. Woran das liegt? Das weiß nicht mal sie, sagt Gerg: „Ich bin oft verwundert über mich selbst.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben