Sport : Wieder wird verloren, wieder wird spekuliert

Der FC Bayern unterliegt dem Hamburger SV 1:2 und dementiert die Verpflichtung von Luca Toni nicht

Klaus Raab[München]

Es gibt Rituale im Fußballstadion, die man als Anhänger einer Mannschaft nicht einfach verweigert. Die Fans des FC Bayern München haben das gestern trotzdem getan. Sie weigerten sich, bei der Einwechslung von Roque Santa Cruz dessen Nachnamen zu rufen. Jetzt komme „der Spieler mit der Nummer 24: Roque…“, kündigte der Stadionsprecher an, doch die Fans antworteten nicht. Sie drückten so aus: Es ist gut, dass es bald vorbei ist. Dass diese Mannschaft bald eine andere ist. 1:2 (1:0) verlor der Rekordmeister in der Allianz-Arena. Die Bayern hatten zuvor schon neun Mal in dieser Saison verloren, sie kennen das Gefühl. Aber gegen den HSV hatten sie angekündigt, vor den eigenen Fans eine ordentliche Leistung abzuliefern, um ihr Gesicht zu wahren. Nun haben sie auch das Spiel noch verloren.

„Ich habe keine Lust, zu sagen, was ich denke“, sagte Torwart Oliver Kahn nach dem Spiel und deutete seine Meinung nur vage an: „Es ist unglaublich, was sich hier abspielt.“ Was er meinte, war wohl die teilweise Arbeitsverweigerung mancher Profis. „Natürlich ist die Enttäuschung sehr groß“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld, „vor allem wegen der Leistungsbereitschaft einiger Spieler.“ Er nannte keine Namen, aber er könnte Ali Karimi gemeint haben, der spielte, als würde er nach Büroschluss für ein Versicherungsangestelltenteam kicken. Oder Roy Makaay, den Stürmer, den man kaum sah. Oder Christian Lell, der sich ohne Erfolg um Spielkultur mühte. Manager Uli Hoeneß wies darauf hin, dass jüngere Spieler „ihre Chance deutlich nicht genutzt“ hätten, wobei er das Wort „deutlich“ deutlich betonte. „Es fehlt Klasse“, sagte er. „Also müssen wir Klasse einkaufen.“ Vielleicht Luca Toni? Die „Gazetta dello Sport“ hatte gemeldet, der 29 Jahre alte Weltmeister werde für 18 Millionen Euro vom AC Florenz nach München wechseln. Die Bayern bestätigten das nicht, dementierten es aber auch nicht. „Wir äußern uns zu gegebener Zeit“, sagte Uli Hoeneß, der in dieser Woche schon mit Bremens Stürmer Miroslav Klose verhandelt hatte.

Diese Zeit könnte bald sein. Zumal die Stürmer Roy Makaay und Claudio Pizarro erschreckend harmlos waren, vom Tor abgesehen, dessen Zustandekommen an ein Billardspiel erinnerte: Irgendwie stocherte Pizarro in der 35. Minute den Ball zur Führung ins Netz. Hamburgs Trainer Huub Stevens sagte: „Das ist die Qualität von Bayern München, dass sie aus dem Nichts das Tor machen, und dann wird es schwierig.“ Doch so schwierig wurde es gar nicht.

Hamburgs Kapitän Rafael van der Vaart, der als Anspielstation und Freistoßschütze herausragte, schoss nach 71 Minuten aus etwa 20 Metern den Ball kompromisslos in die rechte obere Torecke. „Ein herrliches Tor aus Hamburger Sicht“, lobte sogar Ottmar Hitzfeld. Und als der eingewechselte Paolo Guerrero ein Zuspiel von Torhüter Frank Rost mit dem 2:1 in den Torwinkel abschloss, war das Spiel entschieden. Die Hamburger dürften damit vor dem Abstieg gerettet sein. Die Bayern aber haben die letzte Chance auf die Champions-League-Teilnahme verspielt. Ihre Fans hatten das schon nach sieben Spielminuten geahnt. Da sangen sie: „Wir holen den U-U-efa- Cup, und wir werden Deutscher Meister.“ Der Gesang galt dem nächsten Jahr.

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