Wieder zu Gast bei Eintracht Frankfurt : Wie ein Spiel Hertha BSC verändert hat

Das spektakuläre wie desaströse 4:4 im letzten Winter bei Eintracht Frankfurt hat fundamentale Veränderungen bei Hertha BSC nach sich gezogen.

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Das ist nicht euer Ernst. Herthas Peter Niemeyer hatte im Dezember vergangenen Jahres gerade erst die 4:2-Führung für die Berliner bei Eintracht Frankfurt erzielt, da stand es auch schon 4:4 und das Spiel war vorbei.
Das ist nicht euer Ernst. Herthas Peter Niemeyer hatte im Dezember vergangenen Jahres gerade erst die 4:2-Führung für die Berliner...Foto: imago

Pal Dardai ist ein überzeugter Früheinschläfer. Selbst wenn ein Fußballspiel im Fernsehen gezeigt wird, weicht der Trainer von Hertha BSC nicht von seinen Gewohnheiten ab. Nach der ersten Halbzeit werden ihm die Lider schwer, in der Regel macht sich Dardai dann bettfertig. Ausnahmen sind Begegnungen seines eigenen Vereins. „Wenn Hertha spielt, schlaf' ich nie ein“, sagt er. Das war auch im vergangenen Dezember so, als er sich abends im Fernsehen das Auswärtsspiel der Profis bei Eintracht Frankfurt anschaute. Dardai hielt bis zum bitteren Ende durch.

Das war insofern gut, als der Ungar am nächsten Morgen nicht mit falschen Vorstellungen erwachte – mit der Gewissheit nämlich, dass Hertha im vorletzten Spiel der Hinrunde einen wichtigen Sieg eingefahren hatte. Bis in die Schlussminute nämlich führten die Berliner 4:2. Dann verkürzte Alex Meier auf 3:4 und traf schließlich in der Nachspielzeit zum 4:4-Endstand. Peter Niemeyer hat einmal erzählt, was nach dem Abpfiff in ihm vorgegangen ist. Er stand auf dem Rasen, sah das Ergebnis auf der Anzeigetafel und dachte: „Das ist nicht euer Ernst.“

Dardai: "Das war eine andere Zeit"

Wenn Hertha an diesem Sonntag bei der Eintracht antritt, erscheint einem das Spiel aus der vergangenen Saison wie eines aus einer fernen Epoche. „Das war eine andere Zeit und eine andere Mannschaft“, sagt auch Trainer Pal Dardai. Dass sich die Zeiten so fundamental geändert haben, liegt nicht zuletzt an diesem 4:4 vor neun Monaten. Es war der Anfang vom Ende der Ära Jos Luhukay. Knapp zwei Monate später wurde der Holländer entlassen und Pal Dardai als Trainer von der U 15 zu den Profis befördert.

Durch die beiden späten Tore der Eintracht war Hertha in eine Negativspirale geraten, die Luhukay nicht mehr durchbrechen konnte. Im Gegenteil: Die Entwicklung, die sich schon in den Wochen, vielleicht sogar Monaten zuvor angedeutet hatte, beschleunigte sich noch. Vier Tage später, im Heimspiel gegen Hoffenheim, stand es zur Pause 0:3, am Ende hieß es 0:5. Der mentalen Niederlage in Frankfurt folgte unmittelbar vor dem Weihnachtsurlaub eine höchst reale.

Gegen Frankfurt schien es zu Beginn zu laufen

Luhukay, der schon im Herbst leicht reizbar gewirkt hatte, verlor nun auch den Rest seiner Grundgelassenheit. In der Vorbereitung auf die Rückrunde war er schnell genervt, im Trainingslager stauchte er seine Spieler auf dem Platz immer wieder zusammen. Wieso dem Holländer die Mannschaft nach anderthalb sehr erfolgreichen Jahren immer mehr entglitt, das können sich selbst die Beteiligten nicht richtig erklären. „Er hat seine Linie verloren“, sagt ein Spieler.

Das Spiel in Frankfurt war im Grunde ein Abbild dieser Entwicklung. Eigentlich wähnte sich Hertha auf einem guten Weg, nachdem die Mannschaft am Wochenende zuvor Borussia Dortmund mit 1:0 besiegt hatte. Gegen die Eintracht setzte sich der erfreuliche Trend zunächst fort. Aus den ersten vier Angriffen resultierten drei Tore, nach 36 Minuten stand es 3:0. Selbst die Treffer der Frankfurter zum 2:3 konnten den Berlinern nichts anhaben, spätestens nach Niemeyers 4:2 zehn Minuten vor Schluss schien ihnen der Sieg sicher.

Mit Langkamp kam die Unordnung

Kurz darauf nahm Luhukay einen Wechsel vor, den viele für fatal gehalten haben. Er holte Julian Schieber vom Feld, der bis dahin eine stete Bedrohung für die Frankfurter dargestellt hatte, und brachte stattdessen zur defensiven Absicherung Sebastian Langkamp. Der Wechsel war in doppelter Hinsicht das falsche Signal an die Mannschaft. Hertha hatte das Spiel bis dahin ganz gut unter Kontrolle, mit Langkamp brachte Luhukay die funktionierende Ordnung ungewollt durcheinander. Der Innenverteidiger sollte im Mittelfeld spielen, schien aber gar nicht richtig zu wissen, wo er hinzulaufen hat.

Hinzu kam, dass Langkamp zuvor lange verletzt gewesen war und erst seit ein paar Tagen wieder mit der Mannschaft trainiert hatte. Nach Luhukays heiligem Prinzip hätte der Verteidiger also gar nicht spielen dürfen, weil er eigentlich noch nicht über die nötige Spielfitness verfügen konnte. Ausgerechnet für Langkamp aber, den Luhukay schon in Augsburg trainiert hatte, machte er eine Ausnahme.

Langkamp wird heute ganz sicher nicht eingewechselt werden – er ist verletzt. Andernfalls würde er mit Sicherheit in der Startelf stehen. Nicht weil er Trainers Liebling ist, sondern weil seine Leistungen über jeden Zweifel erhaben sind. Auch sonst ist vieles anders. Noch nie unter Dardai hat Hertha vier Gegentore kassiert, nur einmal (in Dortmund) waren es drei. Trotzdem kann Pal Dardai sogar dem 4:4 aus dem vergangen Jahr etwas Positives abgewinnen. „Es ist schon gut, wenn man auswärts vier Tore schießt.“

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