Sport : Wimbledon: Falke Hamish durfte sich ausschlafen

Erich Schäfer

Hamish hatte gestern seinen ersten Ruhetag. Der Falke, der über dem Centre Court von Wimbledon kreisen und die Tauben verscheuchen muss, durfte sich ausschlafen und davon träumen, wie schön es doch wäre, einmal eine Taube in vollem Flug abzuvollieren. Das war ihm nämlich verboten worden von seinem Ausbilder - Blutspritzer sollen nicht so gut ankommen in der Royal Box.

Die erste Woche der All England Lawn Tennis Championships ist also vorbei. Andre Agassi meint sogar, dass ein Turnier beendet sei und das nächste heute beginne. "Man kann den Platz nicht mehr vergleichen. Am Anfang springt der Ball wenig, man rutscht, jetzt wird das Gras immer weniger. Das kommt vor allem Spielern entgegen, die den Ball sehr genau anschauen", sagt der Sieger von 1992, der sich selbst damit meint und den Deutschen Nicolas Kiefer im Achtelfinale ins Visier zu nehmen hat.

Mit dem Super-Monday, bei dem sämtliche Achtelfinalspiele im Programmheft stehen, wird die heiße Phase in Wimbledon eingeläutet. Weil nicht jede Partie ein Schlager sein kann, werden zum Beispiel Tanasugarn (Thailand) - Tauziat (Frankreich) oder Canas (Argentinien) - Enqvist (Schweden) serviert. Aber es sind auch Leckerbissen für Tennis-Gourmets dabei.

Pete Sampras, der siebenfache Wimbledon-Champion, der bereits 13 Grand-Slam-Turniere gewonnen hat und damit Weltrekordhalter dieser Rekordstatistik ist, bekommt es mit dem Schweizer Roger Federer zu tun, der sich auf Samtpfötchen in die vierte Runde geschlichen hat und dem 29-Jährigen das Leben schwer machen könnte. Die Partie Ivanisevic (Kroatien) - Rusedski (Großbritannien) wird ein Knaller, die Asse-Könige werden sich die Bälle um die Ohren filzen. Und Jelena Dokic wird versuchen, sich an Lindsay Davenport, der Siegerin von 1999, für die Semifinal-Niederlage im Vorjahr zu revanchieren.

Gegen die Österreicherin Barbara Schett hatte die 18-jährige Jugoslawin ziemlich souverän gespielt. Anschließend beklagte sich Dokic bitterlich über den Fahrdienst, der sie eine halbe Stunde vor dem Hotel hatte warten lassen. "Ich hatte keine Zeit zum Einspielen. Wenn dem Veranstalter eines so großen Turniers solche Fehler passieren, ist er unfähig", meinte sie.

Die Williams-Sisters wurden sehr zum Leidwesen von Vater Richard auf die Nebenplätze verbannt. Er wittert natürlich wieder einmal eine Intrige. Titelverteidigerin Venus (21) spielt auf Court 2 gegen die Russin Petrowa, die um zwei Jahre jüngere und sieben Zentimeter kleinere Schwester Serena der 1,85 m großen Venus wird auf Court 18 versteckt, Gegnerin ist die Bulgarin Malejewa. Beide Williams haben wie Jennifer Capriati noch keinen Satz erloren, die gegen Sandrine Testud gewinnen dürfte.

Das Ranking der Wohnungspreise weicht übrigens in einigen Punkten von der Setzliste ab. Das Haus, das Pete Sampras (Nr. 1) in London gemietet hat, kostet 31 000 Mark pro Woche, Andre Agassi (2) teilt sich mit Freundin Steffi Graf 22 000, Anke Huber (18) und Barbara Schett (Nr. 21) ist das gemeinsame Domizil 15 000 wert, die Williams-Schwestern (2 und 5) legen 9500 ab, Jelena Dokic (14) schläft im Hotel, der Zimmerpreis beträgt 220 Mark pro Nacht.

Schett ist auch im Mixed-Doppel ausgeschieden und bereits abgereist. Anke Huber hat jetzt mehr Platz.

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