Wimbledon : Nadal: Die Karriere geht in die Knie

Nach dem Erstrundenaus in Wimbledon wachsen die Zweifel, ob Rafael Nadal noch lange Tennis spielt. Der Spanier plagt sich immer wieder mit seinem lädierten Knie.

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Kurzbesuch in Wimbledon. Nadal beim Aus in Runde eins gegen Steve Darcis. Foto: AFP
Kurzbesuch in Wimbledon. Nadal beim Aus in Runde eins gegen Steve Darcis. Foto: AFPFoto: AFP

Gerade zwei Wochen ist es her, da saß Rafael Nadal in den Katakomben des Court Philippe Chatrier im Stade Roland Garros auf dem Podium vor den Journalisten, den silbernen Coupe des Mousquetaires neben sich. Immer wieder schaute Nadal ihn an, doch sein Blick wirkte leer an diesem Tag, an dem er Tennisgeschichte geschrieben hatte. Nadal lächelte kein einziges Mal, während er über seinen achten Titel bei den French Open sprach. Und über sein furioses Comeback nach sieben Monaten Zwangspause. Er wirkte nachdenklich, seltsam angespannt. Und er sah unendlich müde aus. So ausgelaugt wie ein Marathonläufer, der sich mit letzter Kraft über die Ziellinie geschleppt hatte. „Ich brauche jetzt eine Pause“, sagte Rafael Nadal, „nach all diesen Spielen.“ Er verzichtete auf das Turnier in Halle, trat unvorbereitet auf dem Rasen von Wimbledon an. Am Montagabend saß Nadal wieder auf dem Podium, im großen Pressesaal des All England Clubs. Die weiße Kappe hatte der Mallorquiner tief ins gebräunte Gesicht gezogen, seine große Enttäuschung konnte er dennoch darunter nicht verbergen.

Der Belgier Steve Darcis, die Nummer 135 der Welt, der meist nur auf der zweitklassigen Challenger-Tour unterwegs ist, hatte Rafael Nadal in der ersten Runde in drei Sätzen mit 7:6, 7:6 und 6:4 geschlagen. Nie war Nadal so früh bei einem Grand-Slam-Turnier ausgeschieden, und niemals gegen einen Spieler, der so weit hinter ihm in der Rangliste steht. „Das Leben geht weiter“, sagte Rafael Nadal, „es ist kein Drama. So ist der Sport.“ Es schien, als habe der Weltranglistenfünfte aus Spanien lange geahnt, was kommen würde. Dass zwei, drei Tage ausspannen, daheim auf Mallorca, nicht ausreichen würden, um seinen geschundenen Körper auszukurieren. Nadal wirkte ungeduldig, die Fragen nervten ihn. „Ich habe es jetzt drei oder vier Mal gesagt“, blaffte er einen Reporter an, „ich rede heute nicht über mein Knie. Ich lasse das nicht als Ausrede gelten.“

Es war eine Sache, dass der 29 Jahre alte Darcis auf Court 1 so gut wie noch nie in seiner Karriere spielte. Der Belgier hatte sich diesen Sieg mit viel Herzblut und Leidenschaft erkämpft aber schnell gemerkt, dass Nadal nicht bei vollen Kräften war. Immer wieder stürmte Darcis vor ans Netz, und schob Nadal die Rückhandbälle mit extrem viel Slice zu. Der Spanier musste so besonders tief runtergehen – und das war problematisch. Nadal hatte offensichtlich Schmerzen im linken Knie. Je länger das Match dauerte, umso schlimmer wurde es. Nadal ging manchen Bällen nicht mehr nach, die eigentlich in seiner Reichweite lagen. Auch vermochte er sein linkes Bein bei seinen Vorhandschlägen nicht mehr voll zu belasten, seine stärkste Waffe war dadurch stumpf. Gegen Ende des Spiels hinkte Rafael Nadal sogar etwas. „Ich habe doch immer gesagt, dass das der schwierigste Belag für mich ist“, erklärte er, „und die Umstellung ist ohne Matches noch härter.“

Auf Rasen muss Rafael Nadal nicht nur wesentlich tiefer in die Knie gehen als sonst, er spürt auch die Richtungswechsel heftiger in den Gelenken. Auf Sand ist das Spiel für den Spanier weit schonender, dort kann er in die Bälle hineinrutschen. Daher hatte Rafael Nadal nach seinem Comeback im Februar mit Ausnahme vom Masters in Miami auch nur Turniere auf Asche bestritten – mit bemerkenswerter Ausbeute: Neun Turniere spielte der 27-Jährige, kam dabei jedes Mal ins Endspiel und gewann sieben Titel. Den letzten nun vor zwei Wochen bei den French Open in Paris. Doch mehr als einen Satz hätte Rafael Nadal gegen den Belgier Darcis nicht gewinnen können. Nicht in seinem Zustand. Aber wie genau der aussieht, ließ der elfmalige Grand-Slam-Sieger offen, als er das Gelände verließ.

Nachdem er vor einem Jahr gegen den Außenseiter Lukas Rosol in der zweiten Runde ausgeschieden war, setzte ihn sein Knie für sieben Monate außer Gefecht. Niemand hatte zuvor von den Problemen gewusst, die das chronisch entzündete Fettgewebe unter Nadals Kniescheibe verursachte.

Dieses Mal ist jedoch nicht klar, ob sich Rafael Nadal für den von ihm so innig ersehnten French-Open-Titel schlicht verausgabt und überlastet hatte oder ob es um sein Knie schlimmer steht, als er zugeben will. „Die Probleme mit meinen Knien werden mich bis zu meinem Karriereende begleiten“, sagt Rafael Nadal stets. Doch wie lange der Mallorquiner den täglichen Belastungen noch standhält, ist offener denn je. Nach dem frühen Aus in Wimbledon steht zumindest fest, dass er den Strapazen des vollen Tourkalenders längst noch nicht gewachsen ist. „Ich hoffe, ich kann noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau spielen“, sagte Rafael Nadal. Nach seinem Intermezzo in Wimbledon sind die Zweifel daran wieder gewachsen.

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