Sport : Wind von vorne

Der Konflikt um den glücklosen Stürmer Miroslav Klose beeinträchtigt das Klima in der Nationalelf

Stefan Hermanns[Hamburg]

Es muss ein Bild von eheähnlicher Harmonie gewesen sein, das sich den Beobachtern gestern Vormittag im Büro der DFB-Pressestelle im Mannschaftshotel bot. Torsten Frings und Miroslav Klose saßen dort auf engstem Raum bei der Zeitungslektüre zusammen. Ganz friedlich. Augen- und Ohrenzeugen vernahmen weder lautes Geschrei noch mussten sie vor fliegenden Aschenbechern in Deckung gehen. „Ich mag ihn ganz gerne“, sagte Torsten Frings über sein Verhältnis zu Klose, mit dem er bei Werder Bremen und in der Fußball-Nationalmannschaft spielt. Daran hat offensichtlich auch eine wenig freundliche Aussage Kloses in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ nichts geändert. Der Stürmer wirft Frings, der ihm unterstellt hatte, keine Bindung an Werder Bremen mehr zu haben, darin Opportunismus vor: „Wenn der Wind aus dieser Richtung kommt, dann äußert er sich so, und wenn er von der andere Seite kommt, dann ist es genau das Gegenteil.“ Täglich, ja stündlich könne sich das ändern.

Man kennt ja Torsten Frings, dieses Muster an Standhaftigkeit, und man kann sich ungefähr ausmalen, wie sehr ein solcher Vorwurf ihn zur Widerrede reizt. Als er sich gestern zu Wort meldete, hörte sich das dann so an: „Ich bin froh, dass Miro überhaupt mal was sagt und ein Lebenszeichen abgibt.“ Die gesamte Nationalmannschaft ist im Moment geeint in der Sorge um den kriselnden Klose, zumal nun auch das Binnenklima Schaden zu nehmen droht. Bundestrainer Joachim Löw zerstreute diese Sorge: „Die gute Laune ist keineswegs getrübt.“

Das ist eine gute Nachricht kurz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei, mit dem die Deutschen heute eine ansehnliche Saison standesgemäß abschließen wollen. Löw erinnerte noch einmal an die schönen Erfolge seit der WM und mahnte in einer Art öffentlichem Appell „das richtige Augenmaß an“, nicht nur in der Beurteilung seiner Mannschaft, sondern auch im Umgang mit Miroslav Klose. „Das liegt mir doch am Herzen“, sagte der Bundestrainer, den die Enttäuschung über das 6:0 gegen San Marino doch sehr gewundert hatte. „Wir können nicht immer Sensationsleistungen von unseren Jungs erwarten“, sagte Löw.

Bei Miroslav Klose wäre das Publikum zurzeit schon über kleinen Erfolgserlebnissen zutiefst beglückt. Und da die Zuschauer bei Spielen der Nationalmannschaft zuletzt immer ein gutes Gespür für die kleinen menschlichen Tragödien besessen haben, könnte die Begegnung in Hamburg heute ein Mitleid-mit-Klose- Spiel werden: Es ist ja eine ganze Menge, was der Stürmer derzeit verarbeiten muss. „Das Schlimmste waren die Lügengeschichten, die über mich und mein Privatleben in die Welt gesetzt wurden“, sagte Klose, „das Gerede darüber, dass meine Frau schwanger wäre von einem Mitspieler und all das Zeug.“

Solche Gerüchte schwirren seit Wochen durch Bremen, Journalisten berichten von einem abstrusen Wettstreit in der Stadt. Regelmäßig meldeten sich Anrufer, junge Mädchen ebenso wie angebliche Nachbarn der Familie Klose, die neue, ehrenrührige Gerüchte aus dem Privatleben des Fußballers preisgeben wollten. „Ich glaube zu wissen, wer mir einen Seitenhieb verpassen will“, sagte Klose. Zur gegebenen Zeit werde er die passende Retourkutsche setzen.

„Es ist gut, dass er jetzt Kontra gibt“, sagte Torsten Frings. „Es ist so viel Mist über Miro geschrieben worden.“ Dass Kloses Reaktion auch ihn getroffen hat – nun gut. „Das ist seine Meinung“, sagte Frings. „Für mich ist uninteressant, was er sagt. Man zofft sich halt mal, und dann ist es auch wieder gut.“ Frings hatte in einem Interview erklärt, wenn Klose Werder verlassen wolle, solle er doch gehen. Zu dieser Aussage steht er weiterhin: „Ein unzufriedener Spieler hilft uns nicht weiter.“ Das gelte aber nicht nur für Miroslav Klose, sondern ganz generell. Klose ließ weiter offen, ob er bereits in der Sommerpause zu Bayern München wechseln wird. Es sei nun an den Vereinen, sich zu einigen.

Frings hat sich gestern mit Klose ausgesprochen, er beharrt aber auf dem Recht zu unterschiedlichen Ansichten. Seine Meinung jedenfalls werde er auch morgen nicht ändern. Da kann Miroslav Klose gerne das Gegenteil behaupten.

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